Belgrad/Magdeburg l Man müsste Marcel Hacker mal fragen, wie oft er beim lockeren Ausfahren auf der Radrolle nach dem Rennen in sich hineingelächelt hat, wie sehr er nach der Zieldurchfahrt den Augenblick des Erfolges genossen hat, wie sehr er den Rückstand von nur 1,17 Sekunden auf den alten und neuen Europameister Ondrej Synek (Tschechien), den derzeitigen Ausnahmeskuller im Universum, auch als Genugtuung für eine harte Vorbereitung empfunden hat. Aber ein Anruf nach Belgrad (Serbien), wo am Wochenende die Ruder-EM auf der Sava stattgefunden hat, kostet verdammt viel Geld für den Anrufempfänger. Und über einen kostenlosen Nachrichtendienst auf dem Handy lässt sich gar nicht so viel tippen, wie eigentlich zu sagen gewesen wäre.

Kurz gefasst: Hacker vom SC Magdeburg hat am Sonntag Silber gewonnen hinter Synek. Und wenn man weiß, dass Hacker bei der EM 2013 in Sevilla bei gleichem Zieleinlauf noch mehr als vier Sekunden Rückstand hatte, darf man davon ausgehen, dass es nun eine interessante Saison 2014 wird zwischen den beiden. "Ich bin müde und glücklich", hat Hacker bei der Siegerehrung erklärt. "Mit dem Rennen bin ich absolut zufrieden. Der Junge aus Tschechien war heute zwar zu schnell, aber ich werde weiter kämpfen bei den nächsten Regatten." Zum Beispiel bei der WM im August in Amsterdam.

Gold für Bernburger Planer


Über den kostenlosen Nachrichtendienst teilte Hacker eine Stunde nach seinem Medaillenempfang kurz mit: "Für diesen Zeitpunkt der Saison war es ein optimales Rennen. Mehr ging nicht." Es war sogar ein grandioses Rennen, das Hacker vom Start weg bei drehendem Wind von Rang vier über einen Zwischenspurt auf Platz eins nach 1500 Metern führte. Aber dann kam eben Synek, der taktische Alleskönner, noch einmal stark auf, spurtete an Hacker vorbei und siegte in 6:54,95 Minuten. "Ich hatte einen guten Start, eine gute Mitte, nur hintenraus hat es nicht ganz gereicht", resümierte der 37-Jährige.

Silber gab es für die Athleten des Deutschen Ruderverbandes (DRV) bei dieser EM letztlich viermal. Vier Bronzemedaillen und ein Titel komplettieren die Bilanz. "Das war ein sehr guter Auftakt in die Saison, auch wenn wir uns ein, zwei Siege mehr erwünscht hätten. Wir haben uns aber in der Breite verbessert", sagte DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock.

Das einzige Gold wird in Bernburg für Freudentänze gesorgt haben: Maximilian Planer saß am Sonntag im letzten Finale der EM im Bug des Deutschland-Achters, der seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Das Boot von Trainer Ralf Holtmeyer siegte in 5:33,95 Minuten vor Russland (5:34,99) und Weltmeister Großbritannien (5:35,56). Holtmeyer verkündete danach vor der TV-Kamera die gute Nachricht für die jungen Neulinge Planer, Malte Jakschik und Felix Wimberger im Boot: "Obwohl wir noch ein internes Ausscheidungsrennen haben, werden wir wohl in dieser Besetzung durch die Saison gehen." Also auch zur WM.