Magdeburg l Sandaletten, blaue Bermudashorts, blaues T-Shirt, Mobiltelefon - Eckhard Leue war am Sonnabend wieder in seinem Element. Als Sportlicher Leiter des mittlerweile 20. SCM-Sprintcups war der 56-Jährige auf dem Kanu-Gelände an der Magdeburger Zollstraße allgegenwärtig, wusste antworten auf alle Fragen, trieb Sportler und Starter zur Eile, wenn der Zeitplan wankte und fand sogar noch Zeit, beim Einlage-Rennen das Steuer des Drachenbootes zu führen.

Ein Sprintcup des SCM ohne Eckhard Leue erschien bis zu jenem Tag undenkbar. Bis der Gewinner der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau zwischen Ende der Wettkämpfe und Siegerehrungen sein Herz einmal ganz weit öffnete und der Volksstimme mit bewegter Stimme sagte: "Ich will die Leitung des Sprintcups abgeben. Schließlich habe ich drei Enkelkinder, die mir sehr viel Freude bereiten. Nach dem 20. Sprintcup ist für mich Schluss." Doch der ehemalige Canadierfahrer hatte seine Rechnung ohne die von ihm betreuten Athletinnen und Athleten gemacht.

Leue zu Tränen gerührt

Sie wollten sich gebührend dafür bedanken, dass ihr Trainer seine "gesamte Truppe in die Nationalmannschaft gebracht hat", wie sie betonten. Tatkräftig unterstützt vom Vater des SCM-Canadierfahrers Michael Müller hatten die Sportler gleich mehrere Überraschungen vorbereitet und aus eigener Tasche bezahlt. Vor den Besuchern des Sprintcups, der anschließend fließend in das SCM-Sommerfest überging, präsentierten sie mit der Aufschrift "Team Leue" bedruckte Trainingswesten. Trainersohn Erik, immerhin zweifacher Weltmeister, hatte für den Papa in ein schwarz-rot-gold lackiertes Brett die gleichen Buchstaben geschnitzt. Als Krönung gab es einen gläsernen Pokal "The Best".

Diese eindrucksvolle Huldigung war dann wohl doch des Guten zu viel. Sichtlich beeindruckt wischte sich Eckhard Leue eine Träne aus dem Augenwinkel und sprach die Worte "Das war einfach überwältigend. Ich nehme diese Verpflichtung gerne an" in das Mikrofon. Ob diese Beichte Leues den Rücktritt vom angekündigten Rücktritt bedeutet, war bis zum gestrigen Montag nicht in Erfahrung zu bringen.

Für den Chef der SCM-Kanuten Lutz Bengsch, der beim Sprintcup stets als Gesamtleiter und Sprecher fungiert, ist die Veranstaltung ohne Eckhard Leue "nicht denkbar. Wenn Ecki wirklich nicht weitermacht, war\\\'s das mit dem Sprintcup. Wir haben zwar ein eingespieltes Team, aber ohne ihn als Spiritus Rector funktioniert es nicht. Eckhard Leue hatte schon so manches Hoch und Tief. Ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass er seine Funktion beim Sprintcup wirklich niederlegen wird."