Magdeburg l Vier Jahre, von 2001 bis 2005, hatte SCM-Schwimmtrainerin Dagmar Hase Yul Oeltze in der Elbehalle unter ihren Fittichen. Doch ausgerechnet, als in der 6. Klasse wichtige Schwimmtests anstanden, hatte sich der hochaufgeschossene Blondschopf einen Finger gebrochen: Wochenlanger Trainingsausfall, Tests "vergeigt". Dagmar Hase empfahl schließlich (ebenso wie bei der jetzigen Kanutin Nina Krankemann), die Sportart zu wechseln. SCM-Kanutrainer Eckhard Leue nahm dankend an: "Beide sind bei unseren Schwimmern konditionell und koordinativ sehr gut vorbereitet worden. Sie sind unsere Talente für die Zukunft."

Yul Oeltze saß anfangs im Kajak, erinnert sich aber: "Weil alle meine Freunde Canadier fuhren, wollte ich das auch." Schließlich landete er beim damaligen Trainer Josef Raschke. Seit 2008 zählt Oeltze zur Trainingsgruppe von Eckhard Leue, gemeinsam mit Weltmeister Erik Leue und Michael Müller. "Herr Leue trainiert mich nicht nur, er erzieht mich auch. Wir haben eine gesunde Mischung aus Freund und Trainer gefunden", hebt Oeltze die "ausgesprochen familiäre Atmosphäre" im anstrengenden Trainingsalltag hervor. In seinem dritten Jahr bei den Männern ist dem Junioren-Vizeweltmeister von 2011 der lange erhoffte Durchbruch in die internationale Spitze gelungen. "Ich bin endlich im Kopf frei und konnte in den vergangenen Monaten verletzungsfrei und optimal trainieren", stellt Oeltze fest. Hinzu kommt, dass der Meister-Anwärter bei der Bundespolizei über sein gewohntes Training auf der Magdeburger Zollelbe hinaus nun pro Saison von September bis Dezember im Bundes-Leistungzentrum Kienbaum parallel zu seiner beruflichen Ausbildung unter Anleitung von Bundestrainer Stefan Ulm trainiert.

Im Zweier-Canadier mit dem Potsdamer Ronald Verch ließ der gebürtige Magdeburger Oeltze seinem Sieg beim Weltcup im tschechischen Racice Rang zwei hinter Ungarn in Szeged folgen. Mit dieser Empfehlung geht das Duo bei der EM in Brandenburg (10. bis 13. Juli) an den Start, von dem Oeltze hofft: "Dort wollen wir uns mit einer Medaille für die WM in Moskau (6. bis 10. August/d. Red.) qualifizieren."

So gar nicht ausgeträumt ist für Yul Oeltze ein SCM-,,Traumboot" - der Canadier-Zweier zusammen mit seinem Magdeburger Trainingskameraden Erik Leue: "Es kam für mich selbst überraschend, dass ich bei der Qualifikation im Frühjahr besser abgeschnitten habe als Erik", erläutert Oeltze und er gesteht sogar: "Ich war trotzdem sehr geknickt, weil ich plötzlich als Rechtsfahrer nicht mit Erik in ein Boot gesetzt wurde. Aber für nächstes Jahr haben wir uns den SCM-Zweier-Canadier fest vorgenommen. Erik als Linksfahrer und ich müssen eben nur die Besten sein. Dann können wir uns die Bootsbesetzung aussuchen."

Und sollte dann dieses Boot der Konkurrenz das Heck zeigen, wäre ein Gedanke an Olympia 2016 in Rio nicht einmal abwegig ...