Steckbrief Anja Althaus

Geboren: 3. September 1982 in Magdeburg.
Größe: 1,77 Meter.
Position: Kreisläuferin.

Stationen: SCM (1990 - 98); HC Niederndodeleben (1998 - 2000); DJK/MJC Trier (2000 - 2007); Viborg HK (Dänemark/2007 - 2012); Thüringer HC (2012 - 2014), Vadar Skopje (Mazedonien/ab 2014)

Erfolge im Verein (u.a.): Champions-League-Siegerin 2009 und 10; Deutsche Meisterin 2003, 2013 und 2014; Pokalsiegerin 2013; Erfolge mit Nationalmannschaft: 3. Platz bei der WM 2007; 4. Platz bei EM 2008

Magdeburg l Anja Althaus hat mal in der Werbung gearbeitet, allerdings als Technikerin. Sie bastelte damals, während ihrer Zeit bei DJK/MJC Trier, in einer Werkstatt mit lauter Postern von nackten Frauen an den Wänden an Leuchtreklamen. Sie war also ein echter Handwerker unter Männern und ausgestattet "mit einer großen Klappe", sagt sie lachend.

Wenngleich sie selbst keine Werbung getextet hat, könnte man ob der Branchennähe und der großen Klappe vermuten, dass Althaus einen perfekten Titel findet für den kommenden Sonnabend, wenn in der Magdeburger Getec-Arena der Showdown im WM-Playoff der deutschen Männer gegen Polen (15.15 Uhr) und in der EM-Qualifikation der Frauen gegen Mazedonien (12.30 Uhr) steigt. Die 31-Jährige muss aber lange nachdenken. Und so lange hat sie zuletzt wohl nur überlegt, als ihr erstmals die Frage nach ihrem größten Erfolg gestellt wurde.

Althaus unverzichtbar für Bundestrainer Jensen

Heute erklärt sie dazu: "Ich würde über jeden Titel sagen: Das war der Hammer." Egal, ob es sich bei dem Titel um den Champions-League-Pokal, den sie mit HK Viborg zweimal gewann, um den deutschen Pokalsieger-Pokal oder um den Meister-Pokal mit dem Thüringer HC handelt: "Ich bin auf jeden einzelnen stolz.."

Die Erfolge sind zustande gekommen, weil Althaus, die vor 14 Jahren aus Magdeburg auszog, um Titel zu gewinnen, das Handwerk Handball vorzüglich beherrscht. Das hat sie unverzichtbar gemacht - auch für Bundestrainer Heine Jensen, der sie für das heutige Spiel der Vorrundengruppe 7 in Skopje nominiert hat. Bei einem Sieg in Mazedonien (17.45 Uhr) können Althaus Co. bereits für die EM in Ungarn/Kroatien im Dezember buchen.

Anja Althaus hat mit dieser schnellen Rückkehr ins Team gar nicht gerechnet: Sie musste nämlich hartnäckig erst gegen einen Muskelfaserriss und dann gegen ein Knochenödem ankämpfen, "dagegen ist man machtlos", berichtet sie über die quälende Zwangspause, die im Winter begann und erst kurz vor dem Saisonschluss der Bundesliga endete. Aber Althaus ist der Fels im Abwehr-Mittelblock, sie gibt der Mannschaft Stabilität. Und Stabilität ist das, wonach auch Trainer Jensen lange gesucht hat. "Ich habe mit so vielen überragenden Spielerinnen gekämpft", sagt Althaus über die Vergangenheit. "Aber nach den extremen Leistungsschwankungen der letzten Jahre haben wir jetzt Konstanz reinbekommen und die Ruhe gefunden, auch eigene Fehler zu akzeptieren."

Tag der Entscheidung in Magdeburg

Konstanz und Ruhe sind nötig, um in der "Handballhölle" auf dem Balkan zu bestehen. Heute sind Althaus und die frenetischen Fans in Mazedonien ein letztes Mal Gegner, ab der neuen Saison wollen sie Freunde werden. Die 225-malige Nationalspielerin (497 Tore) wechselt vom THC zu Vadar Skopje. "Für mich als Abenteuerin ist das eine riesige Herausforderung", sagt sie. Sie muss nur die Sachen packen, "was bei mir aber lange dauern kann", den Flieger nehmen, die Tür zur eingerichteten Wohnung öffnen. Dann beginnt für sie ein neues Kapitel Titeljagd, das sie für drei Jahre schriftlich fixiert hat. Angst vor der neuen Fremde hat sie nicht: "Ich bin ein offener Mensch, ich habe mich immer so eingerichtet, dass es mir gut geht", betont Althaus.

Über einen Titel mit dem Nationalteam will sie indes nicht sinnieren. Die EM in Ungarn und Kroatien ist zu weit weg, die letzten Spiele nicht gespielt. Sollte ihr Team heute bereits die Teilnahme sichern, dann wartet am Sonnabend in Magdeburg noch eine andere große Aufgabe: "Für uns ist das Doppelevent eine große Bühne, auf der wir den Leuten zeigen wollen: Hey, wir sind auch da", erklärt die Kreisspielerin. 25 Familienmitglieder hat sie dazu eingeladen, einschließlich ihres Lebensgefährten Nicolai Hansen vom ThSV Eisenach.

Und wie könnte nun der Titel für den Showdown am Sonnabend lauten? Anja Althaus findet: "Der Tag der Entscheidung - das trifft es am besten."