Magdeburg l Bundestrainer Heine Jensen muss um seinen Job nicht bangen. Bernhard Bauer konnte sich nach dem Doppelevent am Sonnabend in Magdeburg sogar an dem Erfolg seiner Damen ein wenig festhalten: "Die Frauen haben die Europameisterschaft als Gruppensieger erreicht, das sollte man nicht vergessen", erklärte der DHB-Präsident in der abschließenden Pressekonferenz in der Getec-Arena.

Fernab der Probleme bei den Männern des Deutschen Handballbundes (DHB), die das Ticket zur Weltmeisterschaft 2015 gegen Polen nicht lösen konnten, hat sich bei den Frauen ein sehr erfolgreiches Konstrukt gebildet. Trainer Jensen, seit drei Jahren im Amt, musste deshalb zur Frage, was sich bis zur EM im Dezember in Ungarn und Kroatien verbessern sollte, auch keine großen Reden schwingen. Er sagte nur: "Die Phasen, in denen bei uns die Konzentration nachlässt, müssen wir abstellen, die werden dort nämlich bestraft."

Der 37-Jährige weiß natürlich noch mehr Antworten, aber nach dem 31:16 (14:6)-Sieg seiner Mannschaft gegen Mazedonien vor 4500 Zuschauern mochte Jensen sich nicht mit Schwächen im Detail aufhalten. Und auch den Jubel überließ er seinen Damen: "Für mich war es natürlich ein ganz besonderes Spiel. Und solch eine Atmosphäre kann süchtig machen", meinte die Magdeburgerin Anja Althaus nach dem ersten Auftritt ihrer Laufbahn in der Getec-Arena. "Es war fantastisch, sich mit der Frauenmannschaft vor solch einer Kulisse präsentieren zu dürfen", sagte auch Susann Müller, mit sieben Toren die beste Schützin im deutschen Team.

Der Sieg gegen Mazedonien bedeutete sogar noch mehr als nur den Sieg in der Qualifikationsgruppe 7. "Heute haben wir auch den Schönheitspreis gewonnen", freute sich Anja Althaus zudem über die Spielweise ihres Teams, das in der ersten Hälfte aus allen Lagen und in der zweiten vornehmlich per Konter traf, das aber nach anfänglichen Problemen bei Anspielen an den Kreis die Grundlage für den Erfolg vor allem in der Abwehr und mit den Paraden der Torfrauen Clara Woltering (17) und Jana Krause (3) schuf. Deshalb stand es zur Pause bereits 14:6. Deshalb traf Natalie Augsburg per Konter (20:10/40.) erstmals zur Zehn-Tore-Führung. Deshalb feierten die DHB-Damen zwischen der 37. und der 45. Minute mit jedem Angriff einen Treffer.

Zudem "hatten wir als Ziel ausgegeben, unter 20 Gegentreffer zu bleiben", so Jensen. Auch das wurde erreicht, trotzdem erklärte Susann Müller mit Blick zur EM: "Vor allem in der Abwehr müssen wir noch stabiler werden." Anja Althaus wusste: "Vieles funktioniert sehr gut, aber es ist noch ein Stück Arbeit, bis alle Automatismen sitzen."

Zunächst allerdings geht es in den Urlaub. Nach einer langen Saison darf sich Althaus (31) auch lange erholen, erst Ende Juli startet sie bei Vadar Skopje (Mazedonien) den Angriff auf den dritten Champions-League-Titel ihrer Karriere. Mit ihrem Freund Nicolai Hansen vom ThSV Eisenach bleibt sie noch ein paar Tage im Magdeburger Hotel Mama/Papa. Danach geht es ans Meer nach Dänemark. Derweil will Miami (USA) von der 26-jährigen Susann Müller erobert werden. Clara Woltering (31) zieht es zur Tour über den Balkan bis nach Griechenland, ehe sie sich noch einige Zeit im Münsterland auf dem elterlichen Hof der Pflege von 250 Bullen widmet.

Vielleicht können die Damen in dieser Zeit die Erinnerung an Magdeburg eine Weile konservieren: "Wir haben gezeigt, dass uns Handball Spaß macht, die Zuschauer haben gezeigt, dass es Spaß macht, uns zuzuschauen", so Althaus. Das war wohl der größte Sieg für den deutschen Handball am Sonnabend.

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