Oschersleben l Enrico Becker muss man nach seinem Karriereende nicht fragen, er ist erst 31 Jahre, er hat einfach Lust auf den Job des unangeschnallten Beifahrers im Seitenwagen. Er hat dafür sein Studium zum Wirtschaftsingenieur hinausgeschoben, Semester für Semester. Und wie der Drübecker ist auch sein Pilot Kurt Hock (Oberursel) längst nicht fertig mit dem Motorsport. Dabei ist Hock schon 53. Er sagt: "Es kann passieren, dass ich mit Enrico in Rente gehe."

Gemeinsam bestreiten sie nun ihre elfte Saison. Hock, seit 32 Jahren im Geschäft, bezeichnet den Sozius als seinen "besten Mann". Was sie allerdings in ihrer Zeit noch nicht gewonnen haben, ist der Titel bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM). "Das wäre für uns beide der erste", meint Becker zuletzt beim dritten IDM-Lauf in der "etropolis Motorsport Arena" in Oschersleben, wo sie beide Rennen gewannen und die Führung in der Gesamtwertung übernahmen. In der Sidecar-WM (Platz neun) haben sie indes nur zwei von vier Rennen bestritten. In Rijeka (Kroatien) mussten sie unfreiwillig pausieren, weil Hock sich zuvor in Donington (Großbritannien) Verbrennungen am Bein zugezogen hatte.

Was nun zwangsläufig passiert ist, wird im nächsten Jahr Normalität sein: Hock und Becker fahren die IDM und wollen in der WM nur als Gaststarter "einfach ein paar schöne Einzelresultate erzielen", sagt Becker. Weil zeitlich mehr nicht geht. "Das haben wir so besprochen."

Becker hat sich nämlich angemeldet für seine Abschlussarbeit. Er wird sie über Metalle, deren Legierung und Verschrottung schreiben. Er zieht dafür nach Lüdenscheid, er hat eine Firma gefunden, die ihn unterstützt und nach dem Studium übernehmen möchte. Der ewige Student steht plötzlich vor seiner beruflichen Zukunft.

In diese mit einem Titel zu starten, würde sich Becker wünschen. "Wir sind aber erst am Anfang der Saison", hat er in Oschersleben erklärt. Am Wochenende auf dem Nürburgring startet das Team beim vierten der neun IDM-Läufe. Dort wollen sie die Führung verteidigen. Sollte es aber mit dem Titel am Ende nicht klappen, dann greifen sie im nächsten Jahr wieder an, und in dem darauf - bis zur (gemeinsamen) Rente, aber das ist lang hin. Hock sagt zumindest: "Ein paar Jahre noch als Seitenwagen-Profi fände ich schön."