Magdeburg l Die persönliche Einladung vom Präsidenten der russischen Kanu-Föderation zur Teilnahme am Presidents-Cup auf der Olympiastrecke in Moskau-Krylatskoye kam selbst für Andreas Ihle überraschend. Sie signalisierte dem Olympiasieger von 2008 und Gewinner der Bronzemedaille 2012 in London jedoch, dass die Kanuwelt den Pechvogel vom SCM nicht vergessen hat.

Denn für den 35-jährigen Sportsoldaten ist die Saison auf der von ihm bevorzugten klassischen 1000-Meter-Dis-tanz gelaufen. Kurz vor der alles entscheidenden zweiten deutschen Qualifikation hatte sich der Blondschopf einen Riss des Brustmuskels zugezogen - das war das Ende aller Träume: Nicht für die Auswahl des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) nominiert, kein Start bei WM, EM, Weltcups.

Und doch tat sich unverhofft eine Tür auf. Zwei Wochen nach dem Aus in der Quali zeigte es der gebürtige Merseburger der Konkurrenz bei der deutschen Marathon-Meisterschaft. Die Strecke von 31,8 Kilometern mit fünf Portagen (Bootstransporten über Land) bewältigte Ihle in 2:19 Stunden - das war der Titel. Bei der EM im slowakischen Piestany wurde der SCM-Kanute trotz defekten Steuers immerhin 14. - damit hatte er das Tor zur WM-Teilnahme (26. bis 28. August) in Oklahoma City (USA) aufgestoßen. Und mit Ihle seine Vereinskameraden Chris Wend und Junior Florian Horenburg.

Doch schwieriger als die sportliche WM-Qualifikation gestaltet sich für das SCM-Trio die Finanzierung dieses Unternehmens. Dem Bundeswehr-Hauptfeldwebel Ihle ist wegen seiner Nicht-Berücksichtigung für die DKV-Auswahl die Unterstützung der Deutschen Sporthilfe deutlich gekürzt worden, Chris Wend ist auf Arbeit- suche und Florian Horenburg ist als Auszubildender ebenfalls nicht finanziell auf Rosen gebettet.

Für Ihle bedeutet der Ausflug auf die ungewohnt lange Marathon-Distanz einen "willkommenen Ausstieg, denn ich war neugierig und wollte mich mal auf längeren Strecken ausprobieren". 2015 will es der SCM-Athlet aber wieder bei den Rennkanuten in die Nationalmannschaft schaffen, "und dass ich auch Olympia 2016 in Rio nicht aus den Augen verloren habe, hatte ich ja immer betont", zeigt sich Ihle kämpferisch, weiß angesichts mehrerer Verletzungen in den zurückliegende Jahren aber auch: "Ich möchte schon, aber alles hängt davon ab, ob ich gesund bleibe."

Außerdem sieht sich der erfahrene Ihle dem wachsenden Druck der "jungen Burschen" im eigenen Verband ausgesetzt. Dieser macht es oftmals schwieriger, sich im Frühjahr für eines der deutschen Auswahlboote zu empfehlen, als eine Medaille bei beim Saisonhöhepunkt zu gewinnen.