Hamburg (dpa/jb) l Wut und Befremden. Das waren die ersten Reaktionen aus der Handball-Bundesliga nach der überraschenden Lizenzerteilung für den HSV Hamburg. "Wir akzeptieren das Urteil juristisch, moralisch tun wir es nicht", sagte Holger Kaiser, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL. Die von dem Urteil mitbetroffenen drei Vereine reagierten schockiert.

Für den nun doch abgestiegenen HBW Balingen-Weilstetten sprach Geschäftsführer Bernd Karrer von "Wahnsinn". Coach Michael Roth vom verhinderten EHF-Pokal-Teilnehmer MT Melsungen witterte ein Komplott: "Das ist verwunderlich. Das ist blamabel und spricht nicht gerade für die HBL. Irgendwas stimmt da nicht."

Nachdem den finanziell massiv angeschlagenen Hanseaten die Spielberechtigung für die kommende Saison in zwei Instanzen zunächst verweigert worden war, hatte das unabhängige, dreiköpfige Schiedsgericht am Mittwochabend dem Champions-League-Sieger von 2013 überraschend doch noch die Lizenz erteilt. Allerdings nur unter Bedingungen. So muss der HSV bis zum 1. Juli, 17 Uhr, eine Bank- garantie von knapp fünf Millionen Euro hinterlegen. Die Summe setzt sich nach Recherchen des Hamburger Abendblattes aus 2,75 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus der Saison 2013/14 sowie zwei Millionen Euro für die nächste Spielzeit zusammen.

Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes, hatte bereits Ende Mai den Teufel an die Wand gemalt: "Wenn im Laufe des nächsten halben Jahres eine Lizenzerteilung obsolet wird, weil die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht ausreicht, ist das genauso schädlich für den deutschen Handball wie ein Abstieg des HSV in die 3. Liga."

Melsungen-Vorstand Axel Geerken fragt sich, was passiert wenn der HSV nicht rechtzeitig die erforderlichen Nachweise erbringt. "Muss, bzw. darf er dann trotzdem antreten und gilt dann als erster Absteiger der neuen Saison? Oder spielen wir mit 17 oder gar mit 19 Mannschaften?"

Auch die Magdeburger, für die nunmehr auch der allerletzte Strohhalm für den Europacup passé ist, werden bei der Ligatagung nächste Woche Fragen haben. Steffen Stiebler, Sportlicher Leiter des SCM, meinte ob der offensichtlichen Ohnmacht der HBL: "Wir können die Entscheidung pro Hamburg absolut nicht nachvollziehen. Da gibt es Erklärungsbedarf."