Schönebeck l Sechs Athletinnen gingen an den Start und hatten jeweils sechs Versuche. Währenddessen befand sich das Publikum fast auf Tuchfühlung, denn der Wurfkäfig war nur wenige Meter von den Zuschauern entfernt. Dennoch musste Frank Sieweck, der gewohnt locker durch den Wettkampftag leitete, hin und wieder an die Stimmung appellieren. "Rythmisches Klatschen" forderte er, um die Werferinnen zu Höchstleistungen zu motivieren.

Als Koderisch dann als drittes die Wurfzone betrat, waren keine Anfeuerrungen nötig. Das Publikum freute sich merklich darüber, ihre Heike, die für den SC Magdeburg startete, wiederzusehen. Doch das Heimspiel verhalf ihr nicht aufs Treppchen. Bei einer Weite von 57,46 Metern wurde sie Vierte. Mit dem letzten Versuch gelang ihr diese Leistung, nachdem zuvor drei Würfe unter 57 Metern blieben und einer ungültig war. In ihrem Gesicht war zu lesen, dass sie sich scheinbar mehr erhofft hatte.

Viel erhofft hatte sich auch die Hallenserin Müller. Nicht zuletzt als Olympia-Fünfte, Deutscher Meisterin und Vizeeuropameisterin galt sie im Vorfeld als Favoriten, wenngleich sie aufgrund von Verletzungen längst noch nicht bei 100 Prozent war. Das merkte man ihr insbesondere beim ersten Versuch an, der mit 58,85 Metern unter den Erwartungen blieb. Noch deutlicher wurde die fehlende Praxis im Folgeversuch, den sie in das Wurfnetz beförderte. Doch sie steigerte sich und warf von einem lauten Schrei begleitet im fünften Versuch 62,71 Meter. Da von den anderen fünf Konkurrentinnen keine die Weite im letzten Versuch überbot, dürfte der Ärger über den letzten Wurf, der ungültig war, gering gewesen sein.

"Ich war noch nicht schmerzfrei und konnte nicht das Niveau bieten, das ich wollte", erklärte Müller, gestand aber ein, dass die Weite unter diesen Voraussetzungen in Ordnung gewesen sei. Bis Mittwoch stand ihre Teilnahme aufgrund zweier lädierter Knie auf der Kippe. "Wir haben von Tag zu Tag entschieden. Ich bin froh, dass ich einigermaßen gut durch den Wettkampf gekommen bin."

Einen Anteil an der Leistung hatten auch die Schönebecker. "Die Unterstützung war schön und hat mich gepusht. Es ist immer sehr familiär." Dass ihr bei der Siegerehrung erst 72 Meter attestiert wurden, amüsierte die Hallenserin. "Das wäre natürlich Bombe gewesen."