Magdeburg l Der Bundestrainer greift kurz vor der "EM dahoam" nicht mehr ein ins Trainingsprogramm seiner Schwimmer, das macht er eigentlich sowieso nur in der Saisonvorbereitung. Henning Lambertz nennt seinen sportlichen Einfluss deshalb "eine Mischvariante". Im dreiwöchigen Höhentrainingslager, das derzeit fünf seiner Kandidaten für die Europameisterschaften in Berlin (13. bis 24. August) auf 2320 Metern über den Meeresspiegel in der Sierra Nevada (Spanien) absolvieren, lässt Lambertz also nach dem Plan der Vereinscoaches trainieren.

Zu unterschiedlich sind nämlich die Individuen, zu speziell sind ihre Anforderungen. "Zum Beispiel kommt Marco Koch aus den kleinen Umfängen", erklärt Lambertz. Der Brust-Spezialist aus Darmstadt schwimmt pro Woche 40, 45 Kilometer. Dagegen kommt "Franziska Hentke aus den großen Umfängen", der Magdeburger "Schmetterling" absolviert 70, 80 Kilometer pro Woche im Becken. Lambertz weiß: "Beide Wege sind richtig, ihre Trainer haben genau das Programm für sie gefunden, das sie brauchen."

Franziska Hentke, die sich in Spanien ein Zimmer mit SCM-Teamgefährtin Johanna Friedrich teilt, braucht also viele Kilometer, und sie braucht noch eine höhere Grundschnelligkeit über die 200 Meter Delfin: Auf jener Distanz, ihrer Paradedistanz, peilt sie eine EM-Medaille an. Und Hentke braucht außerdem noch eine bessere Technik in den Teildisziplinen über 400 Meter Lagen. Die sind nun nicht ihre Paradedistanz, trotzdem hat sie bei ihrem Titelgewinn Anfang Mai bei der deutschen Meisterschaft die EM-Norm mit neuem Rekord (4:44,14 Minuten) erfüllt. Was ist ihr Lagen-Ziel bei der EM? "Ich will natürlich deutlich Bestzeit schwimmen, und die Platzierung soll auch so gut wie möglich sein. Aber die 200 Meter Schmetterling stehen klar im Vordergrund", sagt Hentke. So sieht es auch SCMTrainer Bernd Berkhahn.

In etwas mehr als sieben Wochen kann sie ihre Technik verbessern, das Rückenschwimmen ist noch ihre Schwäche. Coach Berkhahn hat sich beim Erstellen ihres Drei-Wochen-Planes für Spanien allerdings fast ausschließlich mit "Schmetterling" befasst und "die Lagen vorerst zur Seite gelegt". Auch in Anbetracht der Konkurrenzzeiten: Mireia Belmonte (Spanien), Hannah Miley (Großbritannien) oder Katinka Hosszu (Ungarn) hatten in diesem Jahr bereits eine 4:32 und 4:33 Minuten auf der Uhr zu stehen, davon ist sein 25-jähriger Schützling noch einiges entfernt.

Antreten wird sie dennoch zur EM über beide Strecken - den Spaß lässt sie sich nicht nehmen, und gut vorbereitet wird sie darauf ebenfalls sein. Denn, so weiß Hentke, auch fürs Trainingslager in der Sierra Nevada gilt: "Diese drei Wochen werden noch einmal sehr umfangreich sein."