Schönebeck l Hans Peter Bischoff hatte sich am späten Freitagabend auf einen Hügel gestellt und den Blick über die beschauliche Wurfanlage im Schönebecker Stadion an der Magdeburger Straße schweifen lassen. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Offensichtlich war der Meetingchef zufrieden mit dem bunten Treiben, für das er und seine fleißigen Mitstreiter erneut weder Mühen noch Kosten gescheut hatten. Stattliche 90 000 Euro hatte der diesjährige Etat betragen.

"Ich denke, mit dieser neunten Auflage des SoleCups können wir uns wirklich sehen lassen, denn alles hat gepasst: Der fußballfreie Freitag bei der WM als Termin, das tolle Wetter, das aufgebotene Starterfeld und nicht zuletzt die Top-Ergebnisse in jeder Disziplin", so der einstige Zehnkämpfer, der mit einem Augenzwinkern verriet, er habe erst seine "guten Beziehungen zu Petrus und dem Fifa-Präsidenten Blatter" spielen lassen müssen, damit alles klappt. Dennoch gab es in Bischoffs Augen einen kleinen Wermutstropfen: "Schade, dass nicht noch mehr Zuschauer die Gelegenheit genutzt haben, die Stars der Wurfszene so hautnah zu erleben."

Jene, die gekommen waren, werden es mit Sicherheit nicht bereut haben, denn ihnen wurde ein kompaktes Programm der Weltklasse auf dem Silbertablett serviert: Die größte Sensation deutete sich beim Einstoßen der Kugel-Kolosse an, denn David Storl hatte gleich viermal an der 22-Meter-Marke gekratzt. Und "Storli" widerlegte höchstselbst, "dass Einstoßen und Wettkampf oft zwei verschiedene Paar Schuhe sind". In seinem besten Versuch schlug die Kugel erneut in Nähe der markanten, weißen Linie ein: 21,90 Meter - das bedeutet neue persönliche Bestleistung. "Uff, da bin ich selbst erstaunt, dass das so locker vom Hocker ging, denn ich komme direkt aus dem Trainingslager", erklärte der 23-Jährige, während ihm ein kleines Mädchen energisch an der Hose zupfte und ihn um ein Autogramm bat.

"Fest und platt" fühlte sich auch Martin Wierig. Robert Harting erging es ebenso: "Ich habe mich schon mal besser gefühlt." Beiden Diskuswerfern steckten in Schönebeck "brutale Krafteinheiten" in den Knochen. Um den Zuschauern dennoch eine "ordentliche Performance" (Harting) bieten zu können, hatten sich die Hünen Unterstützung vom Wind erhofft. Doch der spielte nicht mit, das Publikum schon. Vom Applaus angetrieben, schaukelten sich die Dauerrivalen anein-ander hoch. Am Ende standen beachtliche 67,29 Meter für Sieger Harting und 65,98 Meter für den Zweitplatzierten Wierig zu Buche. Damit war der Lokalmatador mehr als zufrieden: "Ich hatte zuletzt einen ordentlichen Hänger. Aber ich hab`s gewusst, wenn ich irgendwo die Kurve kriege, dann in Schönebeck."

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