Magdeburg l Rob Muffels vom SC Magdeburg hat noch am vergangenen Sonntagabend versprochen, seinen zweiten deutschen Meistertitel über die zehn Kilometer im Freiwasser ein wenig zu genießen. "Ein tolles Extra", nannte er seinen Sieg an jenem Tag in Hamburg-Allermöhe. "Aber das EM-Ticket war natürlich wichtiger." Das hatte er sich drei Tage zuvor mit dem zweiten Platz über die fünf Kilometer gesichert (Volksstimme berichtete).

Der Genuss dauerte aber nur wenige Stunden: Schon am Montag brach Muffels wieder ins Trainingslager in der Sierra Nevada (Spanien) auf, wo er von Finnia Wunram, von Trainer Bernd Berkhahn (beide waren bereits am Tag zuvor angereist)sowie von Franziska Hentke und Johanna Friedrich empfangen wurde - fünf Namen, ein Verein und das gemeinsame Ziel, bei den Schwimm-Europameisterschaften in Berlin (13. bis 24. August) bestmöglich abzuschneiden. Berkhahn zog schon mal eine kleine Zwischenbilanz zur Saison, wenngleich der EM-Start von Friedrich (Ellenbogenbruch) noch fraglich ist: "Im vergangenen Jahr haben sich drei Schwimmer vom SCM für die WM in Barcelona qualifiziert. In diesem Jahr sind es vier für die EM. Und weitere Sportler haben den Anschluss an die deutsche Spitze erreicht. Mit dieser Steigerung bin ich zufrieden."

Für Muffels kam die Steigerung bei den nationalen Titelkämpfen zur richtigen Zeit, auch wenn der Sieg über die zehn Kilometer nicht zum EM-Start über diese Distanz reichte. Dazu fehlte ihm ein gutes Ergebnis aus den Weltcups in diesem Jahr. "Der Druck war schon sehr groß, aber ich wollte einfach nur Spaß haben", erzählte der 19-Jährige über sein Seelenleben vor dem entscheidenden Rennen über die fünf Kilometer. Muffels war dem Druck gewachsen, weshalb er zum zweiten Mal nach 2011 in Eilat (Israel/Silber im Teamwettbewerb mit Svenja Zihsler und Hendrik Rijkens) es wieder zur EM geschafft hat.

Coach Berkhahn war darüber voll des Lobes, trotzdem will er seinen Schützling nicht in den Favoritenkreis bei der EM drängen. Auch Muffels sagte: "Wenn Thomas Lurz (SV Würzburg/d. Red.) am Start ist, ist er auch immer der Favorit. Ich möchte in die Top-Acht kommen."

Das will Wunram bei ihrer EM-Premiere ebenfalls, "und weitere Erfahrung sammeln" außerdem. Die 18-Jährige sicherte sich mit Silber über zehn Kilometer ihr Ticket nach Berlin: "Ich war trotz meiner Erkältung selbstbewusst an den Start gegangen, aber dass es so gut laufen würde, hätte ich nicht gedacht." Nur im Schlussspurt "konnte ich nicht gegenhalten", resümierte sie. In jenem Spurt schwamm Isabelle Härle (Essen) zum Titel.

"Hamburg", stellten Berkhahn, Muffels und Wunram fest, "war eine gute Generalprobe für die EM in Berlin". In Grünau auf der Dahme kämpfen am 13. August die Männer über fünf und die Frauen über zehn Kilometer um Medaillen. "Die Bedingungen sind identisch: keine Strömung, ruhiges Wasser", sagte Wunram. "Aber sicher ist es noch ein bisschen wärmer", ergänzte Muffels mit Blick auf das 22 Grad Celsius warme Nass in Hamburg - durchaus ein tolles Extra.