EM-Splitter

ZIELTURM:
Mit großem Aufwand war in den Jahren seit der letzten Heim-EM in Brandenburg 2009 der Zielturm großzügig ausgebaut worden. Einen Rundumblick bietet die weithin sichtbare Glasfassade.

NATIONALHYMNE I:
Als während der Siegerehrung für die Para-Kanuten die britische Nationalhymne erklang, nahm ein Trainer von der Insel selbst im VIP-Zelt vor dem Bildschirm seine dunkle Sonnenbrille ab und stramm Haltung an.

NATIONALHYMNE II: Wann gewinnt ein Österreicher schon einmal einen Kanu-Wettbewerb? Doch statt der österreichischen Nationalhymne - peinliche Stille an der Regattastrecke. Die Zuschauer auf den Tribünen nahmen es gelassen, spendeten minutenlang stehend Applaus.

HELLIGE: Der ehemalige Magdeburger und seit 1988 in Duisburg lebende Kanutrainer Uli Hellige war mit einer Abordnung der WM-Gastgeberstadt von 2013 in Brandenburg zu Gast.

Brandenburg l Wo war Frank-Walter Steinmeier? Der Bundes-Außenminister hatte zur Freude der Brandenburger Gastgeber die Schirmherrschaft über die Europameisterschaft übernommen, nahm kurz vor Beginn der TV-Übertragung auch auf der Tribüne Platz - als die drei Magdeburger Kanuten Erik Leue, Michael Müller und Yul Oeltze nach 17.30 Uhr ihre Rennen hatten, war der SPD-Politiker wohl schon auf dem Weg zu seinem US-Amtskollegen John Kerry ...

Steinmeier die Schuld dafür zu geben, dass sich die Medaillenträume der Magdeburger Canadierfahrer auf dem Beetzsee nicht erfüllten, wäre ungerecht. Zu deutlich verfehlte der Vierer mit Leue und Müller sowie den Leipzigern Sebastian Hennig und Peter Kretschmer die Medaillenränge. Hinter den dominierenden Weißrussen, Ungarn, der Ukraine, Russland und Rumänien ins Ziel gekommen, rückte das Boot des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) nur dank der nachträglichen Disqualifikation der Rumänen auf Rang fünf vor.

Deutscher Zielsprint zu langsam

"Wir hatten sehr offensiv begonnen und zuviel investiert, um hintenraus die Geschwindigkeit halten zu können", fasste Erik Leue zusammen. "Am Ende müssen wir sogar noch froh sein, dass wir Fünfte geworden sind."

In der Tat war das deutsche Boot als drittschnellstes gestartet, lag bei Renn-Halbzeit sogar auf Platz zwei. 250 m vor dem Ziel immer noch Dritter, ging dann aber nichts mehr. Alle anderen sieben Boote fuhren den Zielsprint schneller als das deutsche.

Sichtlich frustriert zeigte sich im Ziel auch Yul Oeltze. Der 20-Jährige hatte mit seinem Partner Ronald Verch (Potsdam) als Endlauf-Vierter die erhoffte EM-Medaille nur um eine halbe Sekunde verfehlt. Nach der Hälfte der 1000-m-Distanz noch Achter, kam der Schluss-Spurt des deutschen Zweiers allerdings zu spät, um zumindest noch am tschechischen Boot vorbeizukommen.

SCM-Sportler haben größeres Potenzial

"Wir waren in der ersten Hälfte viel zu langsam", analysierte Oeltze. "Da sind wir einfach nicht so richtig ins Rennen gekommen. Das zweite Stück war stark, es hat aber leider nicht für mehr gereicht." Für das Duett Oeltze/Verch spricht wenige Wochen vor dem WM in Moskau (6. bis 10. August), dass der Heißsporn und der Routinier erst seit einem halben Jahr im selben Boot sitzen und aus diesem Grund ihren gemeinsamen Rhythmus noch festigen müssen.

Der SCM-Heimtrainer des Trios, Eckhard Leue, stellte sich vor seine Schützlinge: "Der Zweier war bei den Weltcups und der Vierer im Training schon deutlich besser. Beide Boote, in denen SCM-Sportler sitzen, haben im Vorfeld gezeigt, dass sie deutlich größeres Potenzial haben. Der DKV muss dem Vierer bei der WM eine Einsatzchance geben."

Chef-Bundestrainer Reiner Kießler hätte angesichts der lediglich fünf von zwölf Medaillen in den olympischen Bootsklassen "gern drei Medaillen mehr gesehen", stellte aber auch in Rechnung, dass "die internationale Konkurrenz stärker geworden ist".

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