Ratzeburg/Magdeburg l Sie war nicht die beste Einer-Skullerin in dieser Saison, aber sie bringt das richtige Harmonieverständnis für das Großboot mit - jüngste Tests in Ratzeburg haben es bewiesen. Deshalb kämpft Carina Böhlert vom SC Magdeburg im U-23-Doppelvierer bei der Weltmeisterschaft in Varese (Italien/23. bis 27. Juli) um eine Medaille. Um eine? "Wir wollen Gold angreifen", haben sich Böhlert und ihre drei Mitstreiterinnen auf die Fahne geschrieben.

Die 21-Jährige und ihr Trainer Roland Oesemann hatten natürlich auf die Teilnahme gehofft, aber vorsorglich hatten sie auch über eine Zukunft im Falle eines Scheiterns gesprochen: Die Frage, ob sie dann weitermachen würde, "hatte sie nicht verneint", berichtete Oesemann über das damalige Gespräch. Böhlert seufzt heute glücklich, weil sie sich nicht mehr entscheiden muss. Die WM-Nominierung hat ihr Auftrieb gegeben. "Im nächsten Jahr greifen wir die Elite an", blickte die Studentin voraus, "ganz ohne Krankheiten."

Krankheiten haben ihr in diesem Jahr Probleme bereitet, sie kamen recht spät, aber sie kamen mit voller Wucht. "Das Trainingslager in Sevilla hatte mir einen richtigen Schub gegeben", erinnerte sich Böhlert. Aber schon mit der Langstrecke in Leipzig am ersten Aprilsonntag begann das Bangen um ihren WM-Einsatz. "Eine Bronchitis hatte mich zurückgeworfen", sagte sie am Montag. Noch im Mai nach der zweiten Kleinbootüberprüfung in Köln, als sie das B-Finale im Einer gewonnen hatte, stellte sie traurig fest: "Irgendwie ist seit der Erkrankung der Wurm drin." Jetzt ist er raus.

Er ist raus, weil sie ihre wichtige Rolle als Schlagfrau im Doppelvierer in den vergangenen Monaten trotzdem nachgewiesen hat, auf jener Position hat sie nicht zuletzt die deutsche Meisterschaft in Brandenburg gewonnen. Und deshalb "hätte mich die Rolle der Ersatzfrau bei der WM auch nicht getröstet", sagte sie. Diese hat Pia Patzwald (Ulm) übernommen, Luisa Neerschulte (Lingen) musste sich im Dreikampf um die letzten beiden WM-Plätze im Trainingslager in Ratzeburg geschlagen geben. Böhlert war auch dort keine bessere Einer-Skullerin, aber sie war die beste Frau auf Schlag im Vierer. Deswegen hat sich Bundestrainer Marcus Schwarzrock für sie entschieden - wie 2013.

Damals hat Böhlert im Doppelvierer WM-Bronze gewonnen, was dann als allgemeine Überraschung galt. Aber diesmal "läuft das Boot noch besser", hat Böhlert festgestellt, und das hat ihr Selbstbewusstsein und jenes von Carlotta Nwajide, Frauke Hundeling (beide Hannover) und Michaela Staelberg (Krefeld) im Boot beflügelt.