Szeged/Magdeburg l 300 Meter waren absolviert, als Eckhard Leue bereits "sehr zuversichtlich" war. Dass sein Schützling nämlich bis zum Ende kämpfen und das angeschlagene Tempo halten kann, wusste der Trainer des SC Magdeburg. Und Jasmin Fritz hat ihren Coach nicht enttäuscht: Die 18-Jährige ist im Kajak-Einer der Juniorinnen über 500 Meter mit einem schönen und langen Zielspurt in 1:59,924 Minuten zu Bronze gefahren bei der U-23- und Junioren-Weltmeisterschaft der Kanuten in Szeged (Ungarn).

Das Einzige, was in diesem Rennen am Sonntag vorauszusehen war, war die Dominanz der späteren Siegerin Emma Jörgensen aus Dänemark (1:56,684) und der Britin Rebeka Simon, die Zweite wurde (1:57,044). Und deshalb war für Jasmin Fritz das Wichtigste, "den Abstand zu den beiden am Start so gering wie möglich zu halten", wusste Leue. Das hatte sie geschafft. Oder wie der 56-Jährige lächelnd erklärte: "Sie ist ganz vernünftig rausgekommen. Ansonsten müssen wir das noch ein bisschen üben." Fritz belegte außerdem im K IV über 500 Meter Rang fünf.

"Wir sind uns hier alle superglücklich um den Hals gefallen", berichtete indes Bundestrainer Björn Bach über die Emotionen am Ufer nach Fritz` Bronzefahrt. Für die Magdeburgerin gab es vom entsprechenden Hersteller noch ein neues Paddel obendrauf. Insgesamt schloss der Deutsche Kanuverband (DKV) die WM mit fünf Medaillen (zwei Gold, drei Bronze) ab.

Für den SCM blieb es bei fünf Starts zwar das einzige Edelmetall, dennoch gingen weder Bach noch Leue enttäuscht aus den WM-Wettbewerben. Michael Müller zum Beispiel ist nach dem fünften Platz im Vierer-Canadier eine Woche zuvor bei der Europameisterschaft der Elite in Brandenburg am Sonnabend in Szeged auf Rang vier im U-23-Einer über 1000 Meter gefahren. "Im Einer wirken doch ganz andere Kräfte als im Vierer, und Michael ist hier reihenweise persönliche Bestzeiten gefahren", erklärte Leue. "Außerdem war er nach der EM noch sehr müde, vor diesem Hintergrund hat er hier ein Top-Ergebnis geliefert", ergänzte Bach. Das Beste lieferte der 21-Jährige mit seinem persönlichen Rekord von 3:53,052 Minuten beim Sieg des Polen Martin Fuksa (3:48,060).

Gefreut haben sich Leue und Bach zudem über Felix Gebhardt, der erst 17-Jährige fuhr mit Conrad Scheibner im C II der Junioren über 1000 Meter auf Rang vier. "Sie sind über sich hinausgewachsen", erklärte Bach. "Das hat mich echt überrascht, weil es erst ihr zweiter gemeinsamer Wettkampf war", so Leue.

Und dann gab es doch etwas, was für die beiden Trainer ein "bisschen ärgerlich" gewesen ist. "Die Flucht nach vorn wurde nicht belohnt", meinte Leue über den vierten Platz von Nina Krankemann im K IV der U 23 über 500 Meter. In diesem knappen Endlauf lagen zwischen den siegreichen Chinesinnen (1:32,572) und dem deutschen Boot (1:33,612) am Ende gerade mal 1,04 Sekunden. "Sie sind sehr offensiv rausgegangen und mussten dem hohen Anfangstempo Tribut zollen", erklärte der 38-jährige Bach. "Aber das sind noch sehr junge Mädchen in ihrem ersten Jahr bei den Damen." Von den 18- und 19-Jährigen sei in Zukunft noch einiges zu erwarten.

"Es hat sich gezeigt", fasste Leue zusammen, "dass die Weltspitze weiter zugelegt hat, es war beeindruckend, was in Szeged abgeliefert wurde." Leue und Bach sind sich deshalb sicher: "Da waren einige dabei, die auch bei der Elite-WM in drei Wochen (6. bis 10. August/d. Red.) in Moskau auf dem Treppchen stehen werden."