Leipzig (dpa) l Erst kam der Knatsch um die Lizenz, dann zogen Bundesligisten ihre Testspiel-Zusagen zurück, und nun wollen auch noch Fans die Punktspiele boykottieren: Schon vor dem ersten Anpfiff ist RasenBallsport Leipzig das Rote Tuch der 2. Bundesliga. Wasser auf die Mühlen der Skeptiker und Kritiker war der jüngste Heimlich-Transfer des Belgiers Massimo Bruno, der umgehend an den ebenfalls mit Red-Bull-Millionen ausgestatteten Partnerverein Salzburg verliehen wurde.

Weil RB Leipzig als Retortengebilde ohne Tradition verschrien ist und das Getränkeimperium von Dietrich Mateschitz Geld in unbekannter Höhe in den Club pumpt, ist der Aufsteiger unbeliebt wie kaum ein zweiter Verein. Schalke 04 und der VfB Stuttgart sagten im Sommer wegen Fanprotesten vereinbarte Testspiele ab. Zahlreiche Anhänger von Zweitliga-Kontrahenten drohen damit, auch die Punktspiele in Leipzig zu boykottieren. Dass RB Leipzig überhaupt die Lizenz bekommen hat, sehen viele von ihnen als Farce.

Gegen alle Widerstände nimmt der Aufsteiger das Oberhaus ins Visier. "Unser mittel- bis langfristiges Ziel ist und bleibt die Bundesliga", sagte Sportdirektor Ralf Rangnick. Davon will sich Trainer Alexander Zorniger kurzfristig nicht beeinflussen lassen. "Wir wollen unseren Fußball in die Liga hineinkriegen und uns schnell etablieren", bemerkte der Coach.

Die Aufstiegsmannschaft ist weitgehend beisammen geblieben. "Auch dieses Jahr haben wir keinen einzigen Spieler von einem Ligakonkurrenten verpflichtet", betonte Rangnick. Er setzt viel mehr auf die Synergien mit Österreichs Meister Salzburg, wo er ebenso Sportdirektor ist. Deshalb wurden die Toptalente Massimo Bruno vom RSC Anderlecht und Marcel Sabitzer von Rapid Wien zwar von Leipzig verpflichtet, aber umgehend nach Salzburg verliehen. Langfristig sollen die beiden Jungnationalspieler für Leipzig in der Bundesliga spielen.