Magdeburg l Sollte Jacob Bager-sted jemals auf die Idee kommen, Ernährungswissenschaften zu studieren, wäre er beim SCM schon mal in eine ziemlich formidable Vorleistung gegangen. Bagersted ist von der Mannschaft nämlich in das Amt des Obstwartes bestimmt worden, der Däne ist seit dem Saisonstart dafür verantwortlich, die Trainingstage und -abende vitaminreich zu gestalten. Das ist doch eine gesunde Aufgabe.

Seine Aufgabe auf der Platte ist natürlich nicht die Obstverteilung, sondern vielmehr jene, einen unüberwindbaren Abwehrmittelblock zu stellen. Der 27-Jährige wartet ob seiner Oberschenkelverletzung, mitgebracht aus dem Trainingslager in Kienbaum, schon einige Tage darauf, diese Aufgabe zu erfüllen, was nicht nur seinem Trainer Geir Sveinsson und den Verantwortlichen im Verein ziemlich missfällt, sondern worüber Bagersted selbst vor lauter Ärger in eine unbestimmte Zahl von Bällen beißen könnte. "Jacob ist heiß wie Frittenfett auf seinen Einsatz", bestätigt Mitspieler Andreas Rojewski. "Ihn nervt die Situation am meisten."

Rojewski selbst ist gesund, und es hat mal eine Zeit gegeben, zwischen 2006 und 2010 (zwei Kreuzbandrisse, ein Knorpelschaden im rechten Knie), da war das die Nachricht des Tages. Noch lange nach dieser Zeit hieß es dann bei jeder kleinsten Verletzung: "Der schon wieder", erinnert sich Rojewski. Das hat ihn äußerst genervt, "aber ich habe irgendwann aufgehört, mich dagegen zu wehren".

Letztere schwere Verletzung "ist nun schon vier Jahre her, seitdem habe ich keine Probleme mehr. Das sind alles Baustellen der Vergangenheit, mir geht es gut." Und die Daumenfraktur, die er sich in der vergangenen Saison zugezogen hatte, war auch kein Indiz dafür, dass Rojewski besonders viel Pech hat oder besonders anfällig ist. "Das ist nun mal meine Spielweise, sich überall reinzuschmeißen. Und wo gehobelt wird, fallen manchmal auch Späne."

Im Klartext will der 28-Jährige sagen: Er ist kein Rekonvaleszent mehr, dem man mehr Gesundheit als anderen wünschen müsste oder um den man sich mehr Sorgen als um andere machen sollte. Rojewski ist schlichtweg 1,93 Meter groß und Linkshänder. Und er war zum Beispiel dreifacher Schütze beim Magdeburger 36:32-Finalsieg am Sonntag beim Sparkassencup gegen Melsungen.

Dieses Endspiel war für den SCM das erste Duell in der Vorbereitung gegen einen Liga-Konkurrenten, schließt man das spaßige Spiel ohne Körperkontakt gegen die Füchse Berlin beim Freiluftfestival in Aschersleben mal aus. Der harte Teil der Vorbereitung, der die wichtigsten Erkenntnisse bringen wird für Coach Sveinsson, beginnt mit dem Saisoneröffnungsspiel am Donnerstag in der Getec-Arena (19 Uhr). Gegen Skjern Handbold (Dänemark) erwartet Rojewski einen Härtetest und ein großes Fest zugleich. "Der Gegner spielt auf extrem gutem Niveau und mit einer extrem hohen Passgeschwindigkeit", erklärt er.

Seine Vorfreude auf die Partie wird nun vor allem dadurch bestärkt, dass "wir nach so langer Pause endlich wieder in eigener Halle vor unseren Fans spielen können. Ich denke, gerade bei den neuen Spielern wird eine gewisse Anspannung h errschen."

Die neuen Spieler Jannick Green, Espen Lie Hansen und eben Bagersted "haben sich wirklich gut eingefügt in die Mannschaft, sie passen auch menschlich super", berichtet Rojewski. Alle füllen ihre Ämter zur allgemeinen Zufriedenheit aus: Bagersted als Obstwart, Hansen und Green als Wasserwarte. Und alle kennen bereits den Strafenkatalog und achten deshalb besonders auf die SCM-Regeln wie Pünktlichkeit und Kleiderordnung. Rojewski muss es wissen: Er ist der Kassenwart.