Espen Lie Hansen

Geboren: 1. März 1989 in Drammen (Norwegen)
Größe: 1,96 Meter
Position: Rückraum links

Vereine: Skoger und Drammen (bis 2011) - Bjerringbro-Silkeborg (Dänemark/bis 2012) - Dunkerque (Frankreich/bis 2014) - SC Magdeburg (Vertrag bis 2016)

Nationalteam: 73 Spiele (236 Tore) für Norwegen, nahm an WM 2011 sowie an EM 2012 und 2014 teil.

Erfolge (u.a.): Ligapokal (2013) und Meisterschaft (2014) mit Dunkerque, Einsätze in der Champions League mit Dunkerque (23 Tore) und Bjerringbro-Silkeborg (13 Tore)

Magdeburg l Magdeburg, so ehrlich muss man sein, hat nicht nur schöne Ecken. Und wenn Espen Lie Hansen die weniger schönen bereits kennen würde, wäre seine persönliche Charakteristik zur Stadt wohl breiter gefächert ausgefallen, als sie bislang ausfällt: "Magdeburg", sagt Hansen, "ist eine schöne alte deutsche Stadt." Und Magdeburg hat einen "sehr professionellen Verein", erklärt der Norweger zu dem Verein, an den er sich bis 2016 gebunden hat. Womöglich gefällt ihm sogar das grün-rote Emblem ganz gut, Hansens Lieblingsfarbe ist nämlich Rot, tragen wird der 25-Jährige künftig in der heimischen Getec-Arena ausschließlich ein grünes Trikot - wie immer mit der Nummer 89, angelehnt an das Jahr seiner Geburt.

Eines muss nun der Hansen-Geschichte vorweggenommen werden: Der neue Trainer des SC Magdeburg, Geir Sveinsson, wird in der Öffentlichkeit auf Einzelkritiken verzichten, das hat er schon mal angekündigt. Sveinsson beschränkte sich bislang auf die Mitteilung, dass die Mannschaft Schritt für Schritt vorankomme und sich jeder individuell weiterentwickle, jeder der 20 Spieler im erweiterten Kader. "Was ich den Spielern zu sagen habe, sage ich ihnen unter vier Augen", betont der 50-Jährige. Deshalb sagt er über Hansen, was er über alle sagen würde: "Er ist ein wichtiger Spieler."

Um gleich mal den Status des wichtigen Spielers Hansen zu bestätigen, beginnt man am besten bei seinen Vorlieben. Hansen mag Helden. Er mag den Film "Gladiator", in dem der Held unter anderem den Tod seiner Familie rächt. Er mag die Fernsehserie "House", in der der irre Held (ein Arzt) immer das richtige Heilmittel findet. Am meisten mag er seine Mutter, die sein wahrer Lieblingsheld ist. Noch vor Frode Hagen, seinem Idol, der ebenfalls ein Shooter war, der ebenfalls in Drammen geboren wurde, den es ebenfalls einst in die Bundesliga verschlug - unter anderem zum THW Kiel.

Sportlich mag er es scharf und hart: Hansen verfügt nicht nur über reichlich Bums in der rechten Hand, er ist jemand, der "die Abwehr attackiert", sagt er. Seine Devise lautet: "Kein Risiko, kein Ruhm." In der Abwehr hat er zuletzt in Frankreich auch mal auf Außen gedeckt. Der Konter zählt zu seinen Qualitäten - wie schon mehrfach bewiesen in der Vorbereitung. Letztlich eint ihn und Stefan Kneer (gewechselt zu Rhein-Neckar Löwen) ziemlich wenig, obwohl Hansen als 1:1-Ersatz für Kneer auf Rückraum links geholt worden ist. Auch im Wesen sind sie unterschiedlich: Während Hansen offen und neugierig wirkt, trug Kneer immer eine nachdenkliche Note in seiner Mimik. Die Gemeinsamkeit des eher bulligen Hansen und des eher grazilen Kneer findet sich letztlich nur in der Hauptsache ihres Spiels: Tore, Tore, Tore.

Zuletzt war auch Hansen öfter nachdenklich geworden - in Frankreich. "Die Kommunikation mit dem Trainer war dort schwierig", berichtet Hansen. Der Trainer hieß Patrick Cazal, er sprach recht wenig mit Hansen, "er sagte nicht, was er wollte". Cazal sprach auch kein Englisch. Hansen verstand aber viel Französich irgendwann. Trotzdem war es dem Mangel an der Kommunikation wohl geschuldet, dass Hansen in zwei Jahren Dunkerque und in 45 Ligaeinsätzen auf 118 Toren kam - bei 248 Versuchen und 38 Ballverlusten. Das ist keine überragende Quote.

Nun will Hansen die deutsche Sprache lernen, ab September. "Dafür habe ich während der Vorbereitungszeit noch zu wenig Zeit", sagt Hansen. Sein Vorteil: Beim SCM spricht der Trainer Englisch. "Die Kommunikation läuft viel besser. Geir Sveinsson spricht mit jedem Spieler, er ist ein guter Trainer."

Für Hansen kann der Weg in der neuen Saison eigentlich nur ins internationale Geschäft führen. Überall, wo er gespielt hat, hat er auch europäisch gespielt, vom EHF-Cup bis zur Königsklasse. Er sagt: "Wir wollen einen guten Tabellenplatz und uns für den internationalen Wettbewerb qualifizieren." Und für welchen Wettbewerb? "Alles ist möglich", erklärt Hansen, der 1,96-Meter-Hüne. "Aber bis zum Ende der Saison ist es ein sehr weiter Weg."

Und viel Zeit, am eigenen Heldenstatus zu arbeiten.