Die erfolgsverwöhnten deutschen Kanuten sind bei der WM in Moskau mit dem schlechtesten Ergebbis seit 1991 untergegangen. Beim Magdeburger Yul Oeltze herrschte dagegen nach Bronze im olympischen C2 pure Freude. Im C4 gingen die Michael Müller und Erik Leue als Fünfte leer aus.

Moskau/Magdeburg l Nur drei Medaillen auf den olympischen Strecken - da gab es nach Ende der WM-Wettkämpfe am Sonntagnachmittag in Moskau nichts schönzureden. "Es stellt sich so dar, dass wir auf einmal eine Sprintnation sind", bilanzierte Chefbundestrainer Reiner Kießler nach den 200-Meter-Rennen, bei denen es noch dreimal Silber, aber eben kein Gold gegeben hatte. "Wir müssen klar zwischen nichtolympischen und olympischen Disziplinen differenzieren, und bei letzteren habn wir es nicht gepackt, auf dem Höhepunkt mit breiter Spitze zu überzeugen."

Deutlichere Worte fand Verbandspräsident Thomas Konietzko. Er würde lügen, wenn er sage, dass außer Sebastian Brendel und vielleicht dem C2 jemand im deutschen Team zufrieden ist. "Unsere Erwartungshaltung war schon eine andere, deswegen überwiegt alles in allem die Enttäuschung. Wir müssen nun in aller Ruhe analysieren, woran es gelegen hat", so der Bitterfelder, der in dem Doppel-Weltmeister aus Potsdam sowie dem neuformierten Zweier-Canadier mit dem Postdamer Roland Verch und dem Magdeburger Yul Oeltze und "Lichtblicke" gesehen hatte.

Und Letzterer strahlte nach dem Gewinn seiner ersten WM-Medaille bei den "Großen" wirklich so sehr, dass man ihn gar nicht übersehen konnte. Kein Wunder, dass die mitgereisten Eltern bei der Siegerehrung sprachlos und zu Tränen gerührt waren, wie der 20-jährige SCM-Kanute verriet. Zum 1000-Meter-Rennen selbst meinte er: "Das war unser bestes der Saison. Als es darauf ankam, haben wir alles abrufen können, was drin war." Damit habe man sich die Medaille redlich verdient, so Oeltze. "Die Siegerehrung war natürlich großartig, auch weil sich so viele mit uns gefreut haben."

Ein wenig Ernüchterung herrschte dagegen bei seinen Teamkollegen Michael Müller und Erik Leue. Kein Wunder, waren die beiden Magdeburger zusammen mit Peter Kretschmer und Sebastian Hennig im C4 als Fünfte über 1000 Meter am Podest vorbeigefahren. "Wir haben uns eigentlich mehr ausgerechnet, sind aber dennoch nicht unzufrieden. Wir konnten genau die Renntaktik umsetzen und waren nach unserem zweiten Wettkampfrennen nur knapp über dem bis dahin bestehenden Weltrekord", erklärte Leue, der in Moskau bereits seine fünfte WM erlebt hat und im Vorjahr mit dem Vierer-Canadier den Titel gewinnen konnte. "Um Weltmeister zu werden muss eben alles genau passen. Die Konkurrenz war diesmal einfach stärker, das muss man anerkennen."

Auch WM-Debütant Müller sah das Ergebnis mit gemischten Gefühlen. "Natürlich hatten wir uns eine Medaille gewünscht, aber leider hat es nicht gereicht. Das Rennen war perfekt, da gab`s nichts auszusetzen. Das war das, was wir konnten, mehr ging nicht". Aus persönliches Sich sei es Summa summarum eine sehr gute Saison gewesen. "Zum einen war es mein erstes Jahr bei den Großen, zum anderen habe ich nach meiner einjährigen Sperre sofort wieder den Anschluss gefunden", so der 20-Jährige, der 2013 vor der Nationale Anti-Doping-Argentur (NADA) wegen Verstoßes gegen die Meldepflicht einen "Denkzettel" erhalten hatte. "Dass noch nicht alles zu 100 Prozent aufgegangen ist, sagt mir, dass wir halt noch mehr traineren müssen, um vorne mitfahren zu können." So einfach ist das - auch im erfolgsverwöhnten deutschen Kanurennsport.

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