Zürich/Magdeburg l Kein Wort, kein Gruß, keine Erklärung: SCM-Diskuswerfer Martin Wierig (27) wollte nur noch weg. Am besten, sich in Luft auflösen und das Letzigrund-Stadion, den Ort der Schmach, unerkannt verlassen. Um zu wissen, wie es dem Zwei-Meter-Riesen erging, der nach dem Scheitern im EM-Vorkampf (60,82 Meter/Rang 11) zu einem Häufchen Unglück zusammengeschrumpft war, brauchte es auch keine Worte, ein Blick genügte ...

"Martin war am Boden zerstört. Er hatte sich viel vorgenommen und mit einer Medaille geliebäugelt, aber genau das war offensichtlich der Kardinalfehler: Er wollte zu viel", vermutet sein daheimgebliebener Trainer Armin Lemme. "Was ich so aus der Ferne gesehen habe, gab es doch ein paar technische Fehler, die sich genau dann wieder einschleichen oder verstärken, wenn man zu verkrampft in den Wettkampf geht", so der SCM-Coach, der gleich nach dem Wettkampf eine Trost-SMS auf die Reise geschickt hat. Tenor: Sch... Wettkampf - doch so gebrauchte Tage gibt es nun mal im Sport. Schade nur, dass das beim Saisonhöhepunkt passiert ist. "Aber, das Leben geht weiter."

Dennoch ärgert sich Lemme ein wenig, denn sein Schützling, der nach Auskunft von Bundestrainer Jürgen Schult auch vor Ort in Zürich im Training noch Würfe zwischen 65 und 67 Meter rausgehauen hatte, sei "von physischer Seite her so gut drauf gewesen wie noch nie. Aber irgendwie haben wir das mit der Technik nicht hinbekommen, das System war zu instabil." Zu oft habe es im Saisonverlauf Probleme gegeben, mal wars der Rücken, mal der Fuß. Lemme: "Aber das sollen keine Ausreden sein." Auch, dass die Bedingungen am Mittwoch nicht die besten waren, wollte der Trainer nicht gelten lassen. "Da mussten alle irgendwie durch. Martin hatte mehr drauf, und wenn er cleverer gewesen und wurftechnisch besser reagiert hätte, wäre es bestimmt auch noch etwas weiter gegangen."