Magdeburg l "Wir brauchen in jedem Jahrgang zehn Nachwuchssportler pro Disziplin, denn von denen kommt erfahrungsgemäß einer durch bis in die Leistungsklasse. Und alle drei Jahre stößt im Durchschnitt einer in die absolute Weltspitze vor." Der diese von erfahrenen SCM-Trainern übernommene Rechnung aufmacht, ist Magdeburgs Kanu-Bundesstützpunktleiter Björn Bach.

Der sechsmalige Kanu-Weltmeister zeigt sich mit der "sehr erfolgreichen Saison der Masse der international eingesetzten SCM-Sportler" zufrieden. Herausragend dabei die WM-Bronzeplaketten von Yul Oeltze in der Leistungsklasse und von Jasmin Fritz bei den Juniorinnen. Und auch die Breite des Personals im weiblichen Kajakbereich und bei den Canadier-Männern beurteilt Bach als "sehr gut".

Sorgenfalten überziehen allerdings die braungebrannte Stirn des 38-Jährigen, wenn er an den männlichen Kajakbereich denkt und sagt: "Hier haben wir eine Durststrecke wie wir sie beim SCM noch nie hatten." Zuletzt hatten die Kajakfahrer Bach, Mark Zabel, Tim Huth und der immer noch aktive 35-jährige Andreas Ihle in dieser Disziplin die SCM-Fahne hochgehalten.

Seit langem ist bekannt, dass "hochwertige Talente", wie Bach sie bezeichnet, beim SCM Mangelware sind: "Wir sind mittlerweile an so einem Tiefpunkt angelangt, dass wir im männlichen Kajakbereich manche Jahrgänge nicht einmal besetzt haben." Einzig der von Detlef Hummelt trainierte Tim Weiß, der zurzeit in China bei den Youth Games startet, ist ein Lichtblick am Magdeburger Kajak-Nachwuchshimmel.

SCM macht einen Schnitt

Angesichts der dramatischen Lage macht der SCM nun einen Schnitt. So übernimmt Stützpunktleiter Bach nach den Sommerferien von Kanu-Landestrainer Mark Zabel dessen Amt mit. Zabel wechselt in den SCM-Trainerstab.

"Ich bin heilfroh, dass wir die Nachwuchssorgen nur im männlichen Kajakbereich haben", so Bach, "jetzt müssen wir aber hier schnellstens und nachhaltig aufholen." Mit dem Ziel, sportliche Talente zu finden, ist in der Landeshauptstadt ein Schulsport-Projekt "Wasserfahrsport" aufgelegt worden, an dem sich gegenwärtig drei Bildungseinrichtungen beteiligen.