Berlin l Der Sieger des Teamrennens ist geehrt, die Medaillengewinner werden vom Podium verabschiedet: Isabelle Härle aus Essen begibt sich in die tröstende Umarmung ihrer Freunde, Thomas Lurz aus Würzburg hält einen Plausch mit seinen Fans. Und Rob Muffels vom SC Magdeburg schreibt Autogramme, unheimlich viele Autogramme, eine halbe Stunde lang, auf T-Shirts, auf Fahnen, auf Zeitschriften.

Nach Bronze für die deutsche Mannschaft am Sonnabend war nur die 26-jährige Härle enttäuscht, die Europameisterin im Fünf-Kilometer-Zeitrennen fand nämlich alles "Scheiße" - vor allem die Farbe der Medaille. Für Muffels war es hingegen der Abschluss einer für ihn großartigen Europameisterschaft. "Ich kann super zufrieden sein mit meinen Leistungen", sagte der Magdeburger, der bereits Silber im Zeitrennen gewonnen hatte. "Klar ist es schade, dass wir als Weltmeister des vergangenen Jahres das erhoffte Gold nicht geholt haben, aber die anderen waren stärker, das muss man einfach anerkennen."

Die anderen waren die Niederlande, die in 55:47,8 Minuten über die fünf Kilometer siegten und zugleich ihr drittes Gold in Berlin-Grünau sicherten, sowie Griechenland mit 56:05,5 Minuten. Deutschland folgte mit weiteren 9,3 Sekunden Rückstand, hat aber in den Freiwasser-Wettbewerben die Zielvorgabe, drei bis vier Medaillen zu holen, übererfüllt. Mit Platz drei von Angela Maurer (Mainz) am Sonntag über die 25 Kilometer gewann der Deutsche Schwimmverband (DSV) in sieben Rennen sechsmal Edelmetall, ganz zur Freude von Bundestrainer Henning Lambertz (siehe Interview).

Finnia Wunram vom SCM war indes auf der Marathonstrecke, für die sie überraschend gemeldet worden war, bei Kilometer 15 ausgestiegen. Kein Grund zur Sorge, gab ihr Trainer Bernd Berkhahn Entwarnung: "Es geht ihr gut." Nicht nur der 18-Jährigen, sondern auch dem Trainer selbst und vor allem Rob Muffels: "Ich habe gezeigt, dass ich in der Elite mitmischen kann", freute sich der 19-Jährige über seine Erfolge.

Der sanfte Fluss Dahme kam ihm dabei sehr entgegen, hier konnte Muffels seine Art des Schwimmens pflegen, die ihm auf hoher See oft zum Verhängnis wurde - auch in diesem Jahr. "Ich habe in dieser Saison einige Rückschläge hinnehmen müssen, aber das war bei wesentlich härteren Bedingungen, die selbst die Erfahrenen nicht so einfach wegstecken", erklärte Muffels mit Rückblick auf die Weltcups in Cancun (Mexiko) und Setubal (Portugal).

Von den "beckennahen Verhältnissen" in Berlin wird er sich mit Fokus auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaften 2015 in Kasan (Russland) nun wieder umstellen müssen. "Mein Problem ist, dass ich mit einer ruhigen Frequenz und sehr stark über Kraft und Ausdauer schwimme, aber mit meinem langen Zug ist gegen Wellen und Strömung im Meer nichts zu machen. Wir werden also versuchen, meine Frequenz hochzufahren. Denn die WM-Quali wird voraussichtlich wieder in Brasilien oder in Mexiko stattfinden", meinte Muffels. Das ist seine Zukunft.

In der Gegenwart hat Muffels mehr erreicht als zwei EM-Medaillen, die selbst Berkhahn nicht erwartet hatte. "Sein Schritt in die Erwachsenenklasse ist endgültig getan, und mit erst 19 ist das in diesem Sport was ganz Besonderes", sagte der Coach. "Und das gibt sicher allen Magdeburgern einen Schub, nicht nur Franziska Hentke und Johanna Friedrich in den Beckenwettbewerben ab Montag, sondern auch den anderen in der Trainingsgruppe, die diesen Erfolg erleben möchten."

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