Berlin l Die ersten Meldungen im Internet über diesen Vorfall wurden von dem Wort "Paukenschlag" getragen. Der Vorfall ereignete sich am gestrigen Montag um 9.50 Uhr, die Europameisterschaften der Beckenschwimmer im Berliner Velodrom waren gerade 20 Minuten alt. Zum Vorfall gehörte der Täter namens Paul Biedermann, Weltrekordler über 400 Meter Freistil.


Zur Last gelegt wurde ihm sein Vorlauf-Aus über jene Distanz. Die bezeugenden Journalisten nannten es wahlweise eine riesige Überraschung oder eben einen Paukenschlag, "Ein wenig ärgerlich" nannte es derweil Bundestrainer Henning Lambertz. Dabei stand es schwarz auf weiß in der Ergebnisliste: Einer jener Etablierten im Deutschen Schwimmverband (DSV), in die Lambertz alle Medaillenhoffnungen gelegt hat, war gerade frontal in die Enttäuschung geschwommen.

In der jüngsten Historie des Paul Biedermanns mag sich der Vorfall als erwartbares Ereignis lesen. Der 28-Jährige aus Halle war erst Ende 2013 nach neunmonatiger Verletzungspause auf die Schwimm-Bühne zurückgekehrt, kurz vor der "EM daheim" musste er krankheitsbedingt zweieinhalb Wochen pausieren. Sein Trainer Frank Embacher sagte: "Der Grund für die Meldung über die 400 Meter waren fehlende Wettkampfkilometer und Sicherheit. Dadurch ist es passiert, dass er seine Geschwindigkeit nicht richtig einschätzen konnte. Das Positive ist, dass alle Parameter zeigen: Da geht noch was." Biedermann sagte in seinem Geständnis: "Ich bin selber schuld. Ich habe das Rennen falsch eingeschätzt" - und es deshalb mit einer indiskutablen Zeit beendet. Schwacher Trost: London-Olympiasieger Yannick Agnel (Frankreich) schwamm noch langsamer.

Paul Biedermann war mit der Referenz von 3:47,98 Minuten (Sechster der europäischen Jahresrangliste) an den Start gegangen, mit einer 3:50,42 war der Doppelweltmeister von Rom 2009 aus dem Wettbewerb gekrault - um sieben Hundertstel am achten Finalplatz vorbei. "Die Zeiten, mit denen die Konkurrenz ins Finale geschwommen ist, sind kein Hexenwerk", stellte Lambertz fest.

Über etwaige magische Kräfte verfügt auch Clemens Rapp nicht, trotzdem hatte der 25-Jährige das Finale erreicht in 3:49,03 Minuten und sogleich von einer Medaille geträumt. Der Heidelberger träumte so laut und so lächelnd, als hätte er sich mit dem Endlauf bereits einen Herzenswunsch erfüllt. Rapp, deutscher Vizemeister auf dieser Strecke hinter Biedermann, sicherte sich am Abend beim Sieg von Velimir Stjepanovic (Serbien/3:45,66) letztlich Platz fünf in 3:48,44 Minuten. Mit Steffen Deibler (50 m Schmetterling), Jan Philip-Glania und Christian Diener (100 Rücken), Lisa Graf und Jenny Mensing (200 m Rücken) sowie Hendrik Feldwehr (100 m Brust) erreichten sechs DSV-Athleten die heutigen Finals.

Rapp ist übrigens kein Unbekannter in Magdeburg, im vergangenen Dezember gewann er den Pokal der Landeshauptstadt in der Elbehalle. Und er sagte damals über seine Motivation für das EM-Jahr: "Biedermanns Rückkehr spornt mich an." Heute treffen sie über 200 Meter Freistil wieder aufeinander. Sollte Rapp erneut vor dem Hallenser anschlagen, wäre das ein echter Paukenschlag.

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