Berlin l Sie atmete schwer, weil sie erst schnell schwimmen und dann viel reden musste. Über ihren ersten Wettkampf bei der EM, über all ihre Eindrücke. Franziska Hentke vom SC Magdeburg konnte am Montag alle Fragen der Journalisten im Berliner Velodrom mit der Leichtigkeit einer Athletin, die nichts zu verlieren hat, über sich ergehen lassen. Sie hatte ihren Vorlauf über 400 Meter Lagen als Fünfte in 4:44,87 Minuten beendet und als insgesamt Zwölfte das Finale am Nachmittag damit verfehlt. Sie sagte: "Dafür, dass ich mich gar nicht auf diese Disziplin vorbereitet habe, bin ich sehr zufrieden. So schnell bin ich morgens noch nie geschwommen." Und schneller war sie überhaupt erst einmal - bei den deutschen Meisterschaften im Mai mit 4:44,14 Minuten.

Hentke war mit diesem Ergebnis als 20. der europäischen Rangliste zur EM gefahren. Und wohl keiner hätte erwartet, dass diese Zeit zum Finaleinzug gereicht hätte. 71 Hundertstel haben der 25-Jährigen zum Endlauf gefehlt. Hentke hatte keine Chance gegen Katinka Hosszu (Ungarn), die gleich im Vorlauf einen neuen EM-Rekord mit 4:31,53 Minuten aufstellte, den sie bei ihrem Titelgewinn am Abend noch einmal um 52 Hundertsel unterbot. Hentke hatte auch keine Chance gegen die Spanierin Mireia Belmonte, die Silber (4:33,13) gewann.

Aber, so wusste es ihr Trainer Bernd Berkhahn nach der wissenschaftlichen Analyse des Vorlaufs in den Katakomben des Velodroms besser: "So, wie sich der Rennverlauf gestaltet hatte, hätte es eine Bestzeit sein können. Sie war nicht am Limit, da war noch Luft nach oben. Ich bin trotzdem zufrieden: Sie hat gezeigt, dass sie auch am Morgen Leistung abrufen kann."

Das ist deshalb wichtig, weil Hentke am Sonnabendmorgen den Vorlauf über die 200 Meter Schmetterling schwimmen wird. Wieder gegen Hosszu, wieder gegen Belmonte, aber dann keineswegs chancenlos. In dieser Disziplin ist sie 2014 die Vierteschnellste in Europa.

Hentke hat festgestellt: "Die 400 Meter Lagen waren gut, um in die EM reinzukommen, und sie waren auch gut für das Selbstvertrauen." Was in den vier Tagen bis zum nächsten Start passiert, nennt sich Regeneration, Essen und Schlafen. "Am Mittwoch werden wir noch auf Spitze trainieren, damit ich im Tritt bleibe", erklärte sie. Und am Sonnabend will sie ihre Leistung dann im Velodrom auf Spitze treiben: "Ich bin auf jeden Fall sehr optimistisch."

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