Amsterdam/Magdeburg l Marcel Hacker legte eine kurze Denkpause ein nach der Frage, was ihn denn mit der Regattastrecke in Amsterdam verbindet. Eigentlich war zu diesem Thema eine ausschweifende Antwort von ihm zu erwarten. Von Marcel Hacker, der seit 20 Jahren zur Nationalmannschaft gehört, der in der Hauptstadt der Niederlande zum neunten Mal bei insgesamt zwölf WM-Teilnahmen den Einer des Deutschen Ruderverbandes (DRV) fahren wird. Der alles in seiner Karriere erlebt hat, den Erfolg und die Niederlage, die schönsten und die schlechtesten Tage eines Leistungssportlers. Aber Marcel Hacker informierte in seiner Antwort letztlich kurz und knapp: "Nichts, ich habe keine emotionale Bindung zu Amsterdam." Sein dritter Platz beim Weltcup vor sieben Jahren auf der "Bosbaan" nahe des Flughafens Schiphol konnte daran nichts ändern.

Wenn am Sonntag, 31. August, die Finals der Weltmeisterschaft in Amsterdam ausgetragen werden, haben die deutschen Athleten einen fünfmonatigen Saisonmarathon auf dem Wasser hinter sich gebracht, der auch für Hacker mit zwei Trainingslagern auf die Zielgerade gegangen war. Erst war er im schönen Österreich, zuletzt war er fast drei Wochen in der Ruderakademie im grauen Ratzeburg - mit der kompletten Nationalmannschaft. "Lagerkoller" lautet dann das gefährliche Wort, welches das Gefühl ausdrückt, einem würde gerade alles zu viel werden. Vom Lagerkoller wurde Hacker in Ratzeburg heimgesucht. "In Ratzeburg ist nichts los, und in den vergangenen Tagen war das Wetter außerdem bescheiden", berichtete SCM-Trainer Roland Oesemann am Dienstag. "Es ist notwendig, dass wir hier wegkommen." Inzwischen sind sie weg, am Mittwoch haben der Coach und sein Schützling das Hotelzimmer in Amsterdam bezogen. Am Sonntag startet um 16.58 Uhr sein Vorlauf.

Eine Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille hat der Einer-Fahrer Hacker bislang von Welttitelkämpfen mitgebracht. Eine Medaille soll es auch in Amsterdam werden. "Gold!", rief Hacker durchs Telefon, "für was anderes kämpfe ich nicht." Da spielte auch der letzte kaderinterne Test am Sonnabend in Ratzeburg keine Rolle mehr, "die Generalprobe habe ich versaut", sagte Hacker bestimmt. "Aber deshalb verfalle ich nicht in Panik, ich war einfach fertig vom Training - und genau das war wiederum gut so." So empfand es auch Trainer Oesemann. "Das war ein Trainingslauf und kein Wettkampf. Seine Kraft- und Ausdauerwerte liegen auf einem guten Niveau. Und wenige Tage vor einer WM sollten die Beine auch entsprechend schwer sein." Seinen direkten Konkurrenten wie Mahé Drysdale (Neuseeland) oder Ondrej Synek (Tschechien) geht es da nicht anders. Hacker erklärte: "Mir geht es gut, und so lange das Ding zwischen den Ohren funktioniert, ist auch alles gut."

Roland Oesemann muss an die Weltmeisterschaft der Elite 1977 denken, wenn er an Amsterdam denkt, in jenem Jahr ist Marcel Hacker in Magdeburg geboren worden. 37 Jahre später feiert die Regattastrecke ihr WM-Comeback bei den Erwachsenen mit dem deutschen Ausnahme-Ruderer. Das könnte doch der Anfang einer positiv emotionalen Bindung sein.