Magdeburg l Wegen der höchst umstrittenen Last-Minute-Lizenz für den HSV Hamburg gehen erstmals in der Historie der Eliteliga 19 Teams auf Punktejagd. Statt 34 müssen also 36 Partien über die Runden gebracht werden - was angesichts der immer wiederkehrenden Diskussion um einen aufgeblähten Terminkalender und der damit verbundenen extremen Belastung für die Spieler paradox genug erscheint.

Fakt ist zunächst auch: Der deutsche Meister und der Vizemeister qualifizieren sich für die Champions League 2015/16. Der Tabellendritte und -vierte startet im EHF-Pokal. Jähe Wendungen will aber auch SCM-Manager Marc Schmedt diesbezüglich nicht ausschließen: "Die Regularien ändern sich ständig und mal gibt es Wildcards, mal nicht." Formell solle wohl auch Platz fünf reichen, um europäisch zu spielen, "aber darauf würde ich mich nicht festnageln lassen".

Schlüsselpositionen müssen noch zusammenwachsen


Doch nicht nur deswegen wäre die (Kampf)-Ansage des SCM, einen Europacupplatz anzustreben zu wollen, zu gewagt. In die Rechnung geht neben der großen Unbekannten Verletzungspech auch ein, ob der auffrischende Nordwind die Magdeburger tatsächlich bereits zu einem Start nach Maß beflügeln kann. Die Gefahr, dass bei der "Stärke 5" (Chefcoach Geir Sveinsson, Torwarttrainer Thomas Svensson sowie Jacob Bagersted am Kreis, Jannick Green im Tor und Espen Lie Hansen auf der Königsposition) anfangs doch noch einiges zu viel durcheinanderwirbelt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Dass nach einem erneuten Schnitt mit Verstärkungen auf Schlüsselpositionen erst noch zusammenwachsen muss, was zusammengehört, das wissen auch Schmedt und sein Sportlicher Leiter Steffen Stiebler nur zu gut: "Auch aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus wäre es gerade in unserer Situation verkehrt, das Ziel an einem Tabellenplatz festmachen zu wollen. Wir wollen einen weiteren Schritt nach vorn machen, besser sein, als im Vorjahr und das Maximale herausholen."

Kretzschmar verteilt Vorschusslorbeeren für SC Magdeburg


Wozu das reichen könnte, darüber gehen die Meinungen nicht zuletzt auch bei den Experten weit auseinander. Ex-Nationalspieler Florian Kehrmann sagt in seiner Saisonvorschau in der "Handballwoche" für den SCM Platz sechs voraus. Olliver Roggisch traut dem Vorjahressiebten in der "Sportbild" indes nur Platz neun zu. Damit schaffte es der einstige Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft zumindest als motivierendes "Feindbild" an die Kabinenwand der Magdeburger.

Der Ex-Magdeburger Stefan Kretzschmar verteilte dagegen bei Sport1 Vorschusslorbeeren, als er angesichts der skandinavischen Veredlung des Kaders erklärte: "Den größten Schritt erwarte ich von den Magdeburgern. Sie haben eine gute Truppe mit einer guten Mentalität zusammen."

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