Mannheim l Bereits 24 Stunden vor dem Saisonstart hatte der Gastgeber, bei dem es seit Wochen im Gebälk gekracht hatte, für Schlagzeilen gesorgt: Der Aufsichtsrat verkündete, das gerissene Tischtuch zwischen den Löwen und Reizfigur Thorsten Storm sei endgültig zerschnitten worden. Der langjährige Manager (seit 2007) hatte kurz nach dem verlorenen Herzschlagfinale um die Meisterschaft im Juni bekanntgegeben, nach Auslaufen seines Vertrages im Juni 2015 zum Dauerrivalen THW Kiel wechseln zu wollen und damit zusätzliches Salz in die Wunden gestreut. Am Sonnabend folgte nun der klare Schnitt: Der Vertrag mit Storm wurde vorzeitig - und wie es in derartigen (Streit-)Fällen oft heißt - "im Einvernehmen" aufgelöst.

Die Löwen und ihr neuer Trainer Nicolaj Jacobsen (42 Jahre) versuchten am Sonntag, das Drunter und Drüber hinter den Kulissen nur als einen "Storm" im Wasserglas zu betrachten. Kapitän Uwe Gensheimer: "Da muss nichts ausgeblendet werden, weil das weder die Spieler noch das Training weiter beeinflusst." Offensichtlich war dies aber einfacher gesagt als getan. Die Mannschaft, die im Vergleich zur Vorsaison mit sechs Neuzugängen (davon vier Akteure 23 Jahre oder jünger) eine Frischzellenkur erhalten hat, wirkte zunächst unkonzentriert und zerstreut. Vor allem im Angriff wurden ungewöhnlich viele Fehler gemacht.

Ganz im Gegensatz dazu der Auftritt der Magdeburger, die beim Saisonstart vor halbvollen Rängen in der 13 200 Zuschauer fassenden Arena "nur" auf Neuzugang Jacob Bagersted (Zerrung) verzichten mussten. Das allerdings sehr zum Ärgernis von Manager Marc Schmedt, der erklärte: "Es ist enttäuschend, dass wir alle es in sechs Wochen nicht geschafft haben, die Verletzung in den Griff zu bekommen. Das darf in einem Jahr wie diesem einfach nicht passieren."

Festen Willens, den Löwen anders als beim knappen 28:29 beim Miesner-Turnier bereits von Beginn an Paroli zu bieten, ging beim SCM die Post ab. Die 2:1-Führung durch Bartosz Jurecki wurde über ein 5:3 (13.), 8:5 (18.) bis zum 10:6 (jeweils durch Weber) auf vier Tore ausgebaut (25.). Das funktionierte so reibungslos, weil vor allem die Abwehr zusammen mit Torhüter Jannick Green hervorragende Vorarbeit leistete.

Obwohl beim 11:8 die Seiten gewechselt wurden, war Manager Marc Schmedt skeptisch: "Die Abwehr und Green machen einen sehr guten Job. Aber lieber nicht zu früh freuen, sondern abwarten. Wir haben gegen die Löwen, gerade hier in Mannheim, schon zu viel erlebt."

Er sollte Recht behalten, es sollte wie schon in Ilsenburg eine ganz enge Kiste werden. Dreimal wusste sich der SCM erfolgreich zu wehren, als die Löwen zwischenzeitliche Drei-Tore-Rückstände bis auf ein Tor abknabberten (11:10, 14:13, 20:19). Dann aber zeigten die Magdeburger Nerven. Die Chancen wurden reihenweise liegengelassen. Der gegnerische Torhüter Niklas Landin lief zur Hochform auf. Die Löwen drehten das Ding, gingen mit 22:21 in Führung (54.) und brachten das knappe Spiel am Ende mit Mühe, Not und Glück ins Ziel.

"Wir haben sehr gut gekämpft, deshalb tut diese Niederlage sehr weh", sprach SCM-Trainer Geir Sveinsson in der Pressekonferenz allen Magdeburgern aus dem Herzen.

Schiedsrichter: Immel/Klein. Zuschauer: 5571. Siebenmeter: Löwen 4/4; SCM 3/3. Zeitstrafen: 3/2

Rhein-Neckar Löwen: Landin, Rutschmann - Schmid, Kneer 2, Mensah-Larsen 1, Reinkind 1, Petersson, Ekdahl Du Rietz 2, Schmidt, Gensheimer 9/5, Sigurmannsson, Grötzki 5, Myrhol 4, Guardiola

SC Magdeburg: Quenstedt, Green - Weber 9/3, Bezjak 2, Haaß, M. Gebala, T. Gebala, Lie Hansen 3, Jurecki 3, van Olphen, Rojewski 2, Natek 2, Grafenhorst, Musche 2