Mannheim l Der Abpfiff in der nur halbvollen SAP-Arena wirkte bei den bis zum bitten Ende kämpfenden Magdeburgern wie ein Schlag in die Magengrube: Matthias Musche zog sich das Trikot übers Gesicht, einige Spieler waren buchstäblich am Boden zerstört, und Kapitän Fabian van Olphen ließ seinem Ärger freien Lauf und drosch wie irre auf einen Torpfosten ein. Der Rest verließ mit hängenden Köpfen wortlos das Spielfeld. Hätte bloß noch gefehlt, dass der Weg zurück in die Kabine von dem Lied untermalt wird, das gut 90 Minuten zuvor beim Gang der Magdeburger aufs Spielfeld eingespielt wurde: "Dieser Weg, wird kein leichter sein ..."

Es ist anzunehmen, dass van Olphen & Co. wenig später bei der Verarbeitung der Niederlage in den Katakomben kein Ohr für die Pressekonferenz hatten, die über die Hallenlautsprecher übertragen wurde. Schade, denn die Gastgeber mühten sich redlich um "Aufbau Ost" - allen voran der neue Löwen-Trainer Nicolaj Jacobsen.

Auf die Frage, ob er mit dem Auftritt seiner Jungs zufrieden sei, kam zunächst ein knappes: "Nein, das Einzige womit ich zufrieden bin, sind die zwei Punkte." Und dann stimmte der Däne eine wahre Lobeshymne auf den Verlierer an: "Die Magdeburger haben gut gespielt, gut gekämpft. Sie waren 52 Minuten lang die bessere Mannschaft. Und nur durch die eigenen Fehler und Ballverluste im Angriff haben sie uns in der Schlussphase zu leichten Gegentoren eingeladen", so der 42-Jährige, dessen Team in der zweiten Halbzeit mehrfach drei Tore in Rückstand geraten war. Danach stellte der Coach neidlos fest: "Magdeburg hätte gut und gerne einen Punkt, wenn nicht sogar zwei Punkte mitnehmen können. Deswegen bin ich mir sicher, die Mannschaft wird in diesem Jahr noch so einige ärgern und ganz oben mitspielen."

Die warmen Worte konnten Robert Weber, mit neun Treffern mal wieder erfolgreichster Werfer der Magdeburger, zunächst nur wenig trösten. "Den Mist haben wir uns selbst eingebrockt! Hier war heute mehr möglich. Und bei dem Spielverlauf, hätten wir zumindest einen Punkt verdient gehabt", ärgerte sich der Torjäger, die Gunst der Stunde nicht genutzt zu haben. Denn die Löwen hatten im ersten Spiel der Saison große Findungs-Probleme. Und das nicht nur, weil sechs Neuzugänge plus ein neuer Trainer zu integrieren waren, sondern eben auch ob des Staubs, den die kurzfristige Trennung von Manager Thorsten Storm aufgewirbelt hatte.

"Es ist ärgerlich, dass wir hinten zu viele Bälle einfach weggeworfen haben", sinnierte Weber weiter und suchte nach Erklärungen. "Keine Ahnung, warum uns im entscheidenden Moment der Punch fehlt - fehlende Konzentration? Fehlende Cleverness? Wenn man hier in Mannheim gewinnen will, das wissen wir, dann reichen drei Tore Vorsprung oft nicht aus, das müssen dann schon fünf, sechs sein. Aber selbst das war ja möglich, die Chancen waren da, wir hätten sie nur nutzen müssen."

Doch weil nach dem Spiel auch immer vor dem Spiel ist, konnte der österreichische Torjäger kurz vor der Abfahrt des Mannschaftsbusses am späten Sonntagabend dem Ganzen dann doch noch einiges Positives abgewinnen: "Beim Vizemeister kann man verlieren, und wir brauchen uns mit dem Ergebnis nicht zu verstecken. Vieles hat schon ganz gut funktioniert und nur 24 Gegentore, das spricht für eine sehr gute Deckung. Auch Jannick Green war ein sicherer Rückhalt."

Nun heiße es nach vorn schauen, an dem Positiven anknüpfen und an der Chancenverwertung weiter zu arbeiten, fordert Weber. "Jetzt muss halt Erlangen (Freitag, 19.45 Uhr) dafür büßen, dass wir uns den Frust von der Seele spielen wollen. Ich freue mich schon sehr auf unser erstes Heimspiel." Auch, weil er am Freitag seinen alten Trainer wiedersehe. "Frank Bergemann hat mich damals im Ländle in die Männermannschaft geholt. Er hat meine Handball-Karriere entscheidend geprägt, und unter ihm habe ich mit Alpla HC Hard meinen ersten Meistertitel gewonnen. Dass ich ihn Jahre später in der Bundesliga wiedertreffe, hätte ich mir nie träumen lassen."