Magdeburg l In der slawischen Märchenwelt ist Baba Jaga eine bekannte Figur, wird mitunter auch in die Hexenecke gestellt. Die Baba Jaga, von der hier die Rede ist, ist eine vierjährige Stute und wie Trainerin Sabine Kamin aus Hoppegarten verrät, ein "artiges Mädchen". Für die Trainerin und auch für Magdeburgs Rennverein-Präsident Heinz Baltus ist es um so mehr unerklärlich, wie es beim dritten Renntag der Saison im Magdeburger Herrenkrug am Sonntag Fernando Alberto Guanti im Biederitzer Bogen aus dem Sattel schleudern konnte.

"Er wurde förmlich rauskatapultiert", sieht es Kamin, während Baltus auch nach mehrmaligem Betrachten der Videoaufzeichnung nicht erkennen kann, warum Baba Jaga einen kleinen Satz nach rechts machte. Einen gerissenen Gurt schließt die Trainerin aus, die am Montag mit ihrem Reiter in der Magdeburger Uniklinik telefonierte. "Fernando kann sich derzeit an nichts erinnern, ist aber außer Lebensgefahr." Beim gebürtigen Panamesen mit italienischen Eltern wurde ein Lungenriss sowie drei gebrochene Rippen diagnostiziert.

Nutznießer des Sturzes war zweifelsohne "Verfolger" Marc Timpelan, der mit Novacovic davonzog, das Rennen überraschend gewann und so für die beachtliche Siegquote von 265 Euro für 10 sorgte und seinem Niegripper Besitzer Frank Fuhrmann 2050 Euro Prämie bescherte. Von den weiteren neun Pferden der heimischen Trainer gelang dagegen keinem weiter eine Platzierung.

"Wenn der Unfall und der Vorfall mit dem verlorenen Hufeisen (Volksstimme berichtete) nicht gewesen wären, hätten wir von einem super Renntag gesprochen", resümierte der Rennvereins-Präsident. Trotz zahlreicher anderer Angebote in Magdeburg war der dritte Renntag der Saison mit 5000 Zuschauern gut besucht. Viel Lob gab es dabei für die Bemühungen des Rennvereins, der ein attraktives Programm bot und bei der Beseitigung der Hochwasserschäden gut vorangekommen ist. "Wir haben vieles wieder auf Vordermann gebracht und danken allen, die uns dabei unterstützt haben", erinnert Heinz Baltus noch einmal an die zurückliegenden Monate. Ein Extradank ging an die Firma Kärcher, die "Truppen durchs Land geschickt hat, um Vereinen kostenlos unter die Arme zu greifen".

Bis zu den noch ausstehenden Renntagen am 11. und 31. Oktober soll als letztes Überbleibsel des Hochwassers der Großteil der Stallungen renoviert werden. Der Rennverein freut sich besonders über den Reformationsrenntag, der von den ebenfalls hochwassergeschädigten Hallensern übernommen wird. "Höhepunkt ist der mit 37 000 Euro dotierte Auktionspreis, der von Einsätzen gedeckt wird und uns nichts kostet", sagt Heinz Baltus und fügt schmunzelnd an: "Kein Wunder, dass sich andere Bahnen das unter den Nagel reißen wollten."

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