Magdeburg l Natürlich hätte Marcel Hacker gerne eine Medaille gewonnen bei der Weltmeisterschaft in Amsterdam, keine Frage. Denn "nach Medaillen werden Sportler nun einmal abgerechnet", weiß der Einerfahrer vom SC Magdeburg. Seine erste Enttäuschung über den fünften Platz am letzten Augustsonntag hatte er entsprechend über das Fernsehen kommuniziert. Das klang dann so: "Das war sicher nicht das, was wir uns vorgestellt haben." Aber das war nur eine Wahrheit seiner WM.

Die andere Wahrheit verriet seine Körpersprache während dieses Interviews vor laufender Kamera: So aufrecht, wie er dort dem Zuschauer begegnete, so zufrieden war Hacker nämlich mit sich und seiner Welt. Und das war er außerdem mit der After-Row-Party, bei der die Ruderer sich traditionell in ausgelassener Stimmung von den Wettbewerben verabschieden: "Ich war zum ersten Mal seit zwölf Jahren dabei, und die Feier war wirklich gut. Aber ich habe auch gemerkt, ich werde dafür langsam zu alt", berichtete er milde lächelnd.

Hacker ist mit 37 Jahren in einem Alter, in dem die Akzeptanz einer Niederlage größer ist als die Enttäuschung darüber. Andere wie der neue Weltmeister Ondrej Synek (Tschechien) waren einfach schneller an jenem Finaltag in Amsterdam. Aber sein Alter schützt nicht vor dem Ziel, diesen Unterschied bis zu den Sommerspielen in Rio 2016 wieder aufzulösen. In zwei Jahren will Hacker bei seiner bereits fünften Olympia-Teilnahme das angreifen, was ihm bislang verwehrt geblieben ist: Gold.

Platz fünf bei der Weltmeisterschaft

Auf dem Weg dorthin hat der Familienvater die Saison 2014 mit dem deutschen Meistertitel, mit Silber bei der Europameisterschaft, mit einem vierten und einem dritten Rang bei den Weltcups und eben mit Platz fünf bei der WM abgeschlossen. Aber diese Statistiken reichen nicht, um zu erklären, was Hacker in seinem Fazit erklärte: "Wir sind wieder einen Schritt weiter." Jener Schritt lässt sich an einem ganz anderen Erfolg außerhalb jeglicher Endläufe messen.

Diesen Erfolg erzielte er ebenfalls in Amsterdam: "Ich bin ein grandioses Halbfinale gefahren, habe zum ersten Mal Mahé Drysdale (Olympiasieger von 2012 aus Neuseeland/d. Red.) geschlagen", sagte Hacker und ergänzte: "Aber darum geht es nicht. Sondern darum, dass ich zum fünften Mal in meiner Karriere unter den magischen 6:40 Minuten geblieben bin."

Acht Jahre hat es gedauert, bis Hacker diese Grenze erneut unterschreiten konnte. Acht Jahre nach der WM 2006 in Eton, als er in einem atemberaubend schnellen Endlauf nach 2000 Metern und 6:35,49 Minuten Zweiter hinter Drysdale wurde. Im Halbfinale von Amsterdam erreichte er das Ziel nach 6:39,06 Minuten, was ihn selbst ein wenig verzauberte, was ihn aber vor allem darin bestätigte: "Wir haben akribischer, konzentrierter und kontinuierlicher gearbeitet. Wir werden immer besser." Das muss er auch: Denn im Sekunden-Umkreis der magischen 6:40 wird auch der nächste Olympiasieger ermittelt.

Für seinen Traum vom Gold will Hacker stärker am Start werden: "Ich möchte von vorne mitfahren können." Daran werden er und Trainer Roland Oesemann arbeiten, wenn die Urlaubspause am 6. Oktober beendet ist. Hacker blickte selbstbewusst voraus: "Dann gehen wir den nächsten Schritt."