Magdeburg l Ob in Friesenheim, Kiel, Mannheim oder Hannover: Leicht geht nichts mehr in der Handball-Bundesliga, die offensichtlich die neue Ausgeglichenheit für sich entdeckt hat. "Es gibt an jedem Spieltag eine Überraschung", hat auch der Sportliche Leiter des SCM, Steffen Stiebler, erkannt. "Selbstläufer sind nicht mehr an der Tagesordnung. Alle Mannschaften müssen 60 Minuten lang Gas geben", erklärte er vor dem fünften Punktspiel der Magdeburger am Sonntag bei Hannover-Burgdorf (15 Uhr/Swiss Life Hall).

Gas geben kann auch der TSV - und sein Trainer Christopher Nordmeyer wohl ganz besonders. Nordmeyer hat nämlich einen Bußgeldbescheid erhalten, weil er in einer 100er Zone 53 Kilometer pro Stunde zu schnell gefahren ist, dafür soll er 220 Euro zahlen und den Führerschein abgeben. Der 46-Jährige hat laut "Hannoversche Allgemeine" Einspruch eingelegt gegen den Bescheid. Aber der dürfte trotzdem zur miesen Laune des Trainers gepasst haben, die bei der jüngsten Niederlage (24:27) bei Aufsteiger TSG Friesenheim Einzug gehalten hatte.

SC Magdeburger muss Hannoveraner Angriffsreihe stoppen

Von einer Krisenstimmung will beim TSV dennoch niemand etwas wissen nach 3:5 Punkten aus vier Partien: "Wir stecken nicht tief in der Krise", verkündete Torge Johannsen. Das fiel gerade ihm sicherlich leicht, der Rechtsaußen ist mit 29 Treffern derzeit der beste Werfer der "Recken", er steht damit exemplarisch für die größte Stärke der Gastgeber.

Johannsen bildet nämlich mit Joakim Hykkeryd am Kreis und Lars Lehnhoff auf Linksaußen die erste Angriffsreihe der Hannoveraner, alle drei zusammen haben mit 45 Treffern nur sieben weniger als die Hälfte aller bisherigen TSV-Tore markiert. Bezieht man ihre Vertreter in die Rechnung ein, erzielt das Team von jenen Positionen sogar 60 Prozent aller Tore, berichtete Geir Sveinsson, der SCM-Coach. "Diese Reihe ist ganz stark, und die müssen wir stoppen", erklärte er am Freitag im Vorgespräch zur Partie - und zugleich im Rückblick auf das Hauptmanko beim jüngsten 32:32 seines Teams gegen Göppingen. "Da haben wir zwölf Tore vom Kreis bekommen: acht direkte und vier Siebenmeter." Dem entgegen stand die bisher beste Saisonleistung im Angriff, bestätigte der 50-Jährige. Und daraus wiederum resultierte, dass Espen Lie Hansen aus dem linken Rückraum erstmals in die Mannschaft des Bundesliga-Spieltages gewählt wurde.

Sveinsson mit ersten vier Spieltagen zufrieden

Nach dieser Premiere feiert der SCM am Sonntag eine weitere, denn "zum ersten Mal in dieser Saison können wir mit den stärksten Spielern auflaufen", sagte Sveinsson und verwies auf die Rückkehr von Linksaußen Yves Grafenhorst und Kreisspieler Jacob Bagersted - jeweils nach überstandener Oberschenkelverletzung. Der Däne Bager-sted könnte "rein theoretisch" von Beginn an den Abwehr-Mittelblock verstärken, praktisch ist die Entscheidung dazu noch nicht gefallen, so Sveinsson.

Der Coach selbst war am Freitag bester Laune. Mit einem Pfeifen auf den Lippen hatte er den Raum in der Getec-Arena betreten. Dann zog er folgendes Resümee zu den ersten vier Spieltagen: "6:2 Punkte wären super gewesen", sagte er in Anbetracht der 5:3 Zähler auf dem Konto seiner Mannschaft. "Aber über den einen Punkt diskutiere ich nicht." Außerdem sei es schön zu wissen, "dass man sich weiter verbessern kann und dass immer noch mehr geht". Vielleicht schon in Hannover.