Magdeburg l Es sollte eigentlich ein Gespräch werden über die große Euphorie und über starke Leistungen, aber Michael Haaß war dazu einfach nicht bereit. Einmal pustete er durch, mehrmals seufzte er in sich hin- ein, und einmal rief er leise: "Mensch Leute ...", obwohl ihn nur ein Leut´ befragte. Euphorie, schon nach fünf Spieltagen etwa? Haaß verzichtete gerne. Da half auch der Hinweis auf den aktuell vierten Tabellenplatz des SCM in der Bundesliga nicht - so direkt hinterm THW Kiel, was üblicherweise beim euphorischen Fan für ein Dauergrinsen sorgt.

Haaß war am Montag nach dem Aqua-Jogging in der Elbehalle einfach nicht nach Dauergrinsen, und das lag weniger am regenerativen Training als vielmehr an seiner Erfahrung: "Nach fünf Spielen ist es zu früh für den Blick auf die Tabelle", sagte er. Zumindest war es gut, dass der Regisseur und sein SCM am Sonntag beim 28:24 in Hannover "einfach extrem wichtige Auswärtspunkte geholt haben, die die Mannschaft und ihr Selbstvertrauen voranbringen".

Haaß hat nach Selbstvertrauen gesucht in der vergangenen Saison, eine lange Zeit, und er hat zuweilen mit sich gehadert. Jetzt ist er in Schwung gekommen, anders ist seine Leistung von Hannover nicht zu definieren. Wenigstens darüber könnte er euphorisch sein. Aber er freute sich nur, "dass ein bisschen was geklappt hat" oder "dass ein Wurf mal reingeht" oder "dass ich mich gut fühle und fit bin".

Das Spiel in Hannover muss sich für ihn sehr gut angefühlt haben, nicht nur ob seiner drei Tore. In der vergangenen Saison hatte der SCM noch fünf potenzielle Mittelblocker im Kader gezählt. In den ersten vier Partien der laufenden Serie standen vor allem Michael Haaß und Fabian van Olphen in der Verantwortung dieser wichtigen Aufgabe. Aber nun, am Sonntag, hat Jacob Bagersted sein Bundesliga-Debüt gegeben nach überstandener Oberschenkelverletzung. "Jacob ist für uns eine riesige Erleichterung, jetzt haben wir eine Alternative mehr, können besser wechseln", erklärte Haaß.

Die Abwehr hat sich überhaupt "extrem stabilisert". Der Angriff unterliegt dagegen noch gewissen Schwankungen, wenngleich mit Andreas Rojewski schon zum zweiten Mal nach Espen Lie Hansen ein SCM-Shooter in die Bundesliga-Mannschaft des Spieltages gewählt wurde. "Unser Spiel soll einfacher werden, sich mehr auf Kleingruppen und Zweikämpfe konzentrieren. Aber das braucht Zeit", sagte der 30-jährige Haaß, "und manchmal fehlt uns noch das Timing." Das liegt auch daran, dass der Positionsangriff eine neue Intensität erfahren hat. Zumindest sind das permanente und temporeiche Kreuzen, wie es unter Trainer Geir Sveinsson zwischen den Rückraumpositionen zelebriert wird, in dieser Form nicht in Erinnerung geblieben aus der Vorsaison. "Das gehört aber zu den Grundmitteln des Handballs, und wenn man das Kreuzen beherrscht, ist es für jede Deckung schwer zu verteidigen. Aber darin können und müssen wir noch besser werden", betonte Haaß.

Acht Tage Zeit hat der SCM, um sich nicht nur in dieser Hinsicht auf das nächste Spiel gegen Flensburg-Handewitt vorzubereiten (24. September, 20.15 Uhr, Getec-Arena). "Wir haben als Mannschaft gerade ein sehr gutes Gefühl", weiß Haaß. "Und wir brauchen uns zu Hause vor niemandem verstecken, da muss die Hütte brennen." Das klang sogar ein bisschen euphorisch.