Wolfgang Steinbach

Geboren am 21. September 1954 in Schönebeck. Spielte für Chemie Schönebeck (1961-68), FCM (1968-87, 1989/90), Motor Schönebeck (1987-89), VfB Oldenburg (1990-94). Trainer beim VfB Oldenburg, BV Cloppenburg, SV Wilhelmshaven, MSV 90 Preussen, BW Essen.

29 A-Länderspiele/1 Tor.Olympia-Silber 1980. DDR-Meister 1972, 1974, 1975.

Magdeburg l "Ich habe einen Wunsch, dass ich meine Enkelkinder noch verheiratet erlebe." Das sagt Wolfgang Steinbach, der am Sonntag seinen 60. Geburtstag feiert. Dass für den Jubilar, der mit 433 Pflichtspielen nach Wolfgang Seguin und Manfred Zapf die meisten Partien für die Blau-Weißen bestritt, nicht mehr die Rückkehr seines 1. FC Magdeburg in den Profifußball Herzenswunsch Nummer eins ist, sagt alles.

"Den Glauben daran habe ich mittlerweile verloren", erklärt der gebürtige Schöne-becker, der als Kind mit seinen beiden älteren Brüdern und seiner Schwester auf der "Rammelwiese" und dem "Blauen Stein" spielte, dort auch den heute noch gängigen Spitznamen "Maxe" erhielt.

Vom Fußball kann Wolfgang "Maxe" Steinbach aber auch 24 Jahre nach seinem Umzug nach Bad Zwischenahn im niedersächsischen Ammerland nicht lassen. Zwar arbeitet der einstige Edeltechniker - nachdem ihm eine Prothese ins linke Knie implantiert wurde - endgültig als "Bürohengst" bei seinem Ziehvater Albert Sprehe, einem bundesweit tätigen Feinkostunternehmer, in Cloppenburg am Schreibtisch. Doch seit kurzem steht Steinbach auch wieder auf dem Trainingsplatz.

Fast hätte die Geburtstagsfeier ausfallen müssen

Es ist nicht mehr die große Fußballbühne, die sich für den 1,65 m kleinen Ballvirtuosen den Vorhang hebt, sondern der BV Essen, Tabellenvierter der Bezirksliga Weser-Ems, Staffel 4. "Einige der Spieler hatte ich schon als Jugendliche beim SV Wilhelmshaven, und nachdem mich ein Sprehe-Sohn bat, die erste Männermannschaft des BV zu übernehmen, konnte ich schlecht Nein sagen, zumal der Sportplatz keine zehn Autominuten von der Firma entfernt ist", erklärt Steinbach fast entschuldigend, da er bei dreimaligem Training in der Woche und den Spielen am Wochenende wieder weniger Zeit für die Familie hat, für Gattin Birgit, die ganz in der Nähe wohnenden Kinder Nancy und Danny sowie die Enkel.

"Eigentlich wollte ich nach meinem Abschied vom SV Wilhelmshaven und meiner Knie-OP nichts mehr mit dem Fußball zu tun haben, aber inzwischen hat mich das Fußballfieber wieder gepackt. Wir spielen hier fast nur Derbys, alles im Umkreis von zehn bis 15 Kilometern und nicht selten vor bis zu 400 Zuschauern", kommt "Maxe" Steinbach regelrecht ins Schwärmen und stellt klar: "Jetzt weiß ich auch, was es für die Jungs heißt, tagsüber zu arbeiten, nach Feierabend zu trainieren und am Wochenende zu den Spielen durch die Gegend zu fahren. Die quälen sich noch wirklich. Ich hatte es dagegen früher als Spieler echt gut, die heutigen Profis leben im Vergleich dazu sogar im Schlaraffenland."

Wegen des aktuelles Engagements in den Niederungen des Amateurfußballs Weser/Ems hätte Steinbach fast seine Geburtstagsfeier ausfallen lassen müssen: "Normalerweise hätten wir am Sonntag in Osterfeine gespielt. Ich habe erst gar nicht mitbekommen, dass das Spiel inzwischen auf Samstag verlegt wurde." So wird am Sonntag zu Hause im engsten Familienkreis Kaffee getrunken, geht es am Abend ins Lieblingsrestaurant.

Am Freitag machte Steinbach einen Abstecher nach Schönebeck, um die Schwiegereltern abzuholen. Für einen Besuch des Heimspiels des Regionalligisten Magdeburg gegen Nordhausen fand sich keine Gelegenheit. Halb so schlimm, den Glauben an bessere Zeiten der Blau-Weißen hat der einstige Publikumsliebling inzwischen eh verloren, auch wenn FCM-Coach Jens Härtel für ihn eine gute Arbeit leistet.