Magdeburg l Seine erste Aktion in der Bundesliga überhaupt, die von Jacob Bagersted in Erinnerung bleiben wird, trug sich nicht in der Abwehr, sondern im Angriff zu. Das war am Sonntag vor neun Tagen beim Spiel des SCM beim TSV Hannover-Burgdorf, es war die 22. Minute, Bagersted war gerade 25 Sekunden auf der Platte. Der Kreisspieler hielt sich zwei Hannoveraner vom Leibe, öffnete eine Lücke, wie sie Shooter lieben und Torhüter hassen. Und weil er seinen Kopf zudem reaktionsschnell zur rechten Seite duckte, durfte Marko Bezjak aus neun Metern zum zwischenzeitlichen 10:10 treffen. "Ich habe mich einfach gefreut, dass wir zwei wichtige Punkte geholt haben", erklärt Bagersted eine Woche nach dem 28:24-Sieg und beim Sonntagstraining in der Getec-Arena.

Bagersted ist also in der Liga angekommen, nicht nur aufgrund dieser Aktion, vor allem aufgrund seiner Leistung in der Abwehr an jenem Tag. Es hat lange gebraucht für diesen Moment, ziemlich genau neun Wochen sogar, rechnet der 27-jährige Däne vor, in denen er seine Oberschenkelverletzung kurieren musste: "Ich habe selten den Ball bekommen", berichtet er über diese Zeit. Dafür ist er in den neun Wochen offenkundig der deutschen Sprache sehr mächtig geworden, manchmal streut er noch ein englisches Wort in seine Ausführungen. Dennoch ist es erstaunlich, wie schnell er sich der komplizierten Grammatik und dem großen Wortschatz in den drei Monaten seit seiner Ankunft in Magdeburg angenommen hat.

In Hannover hat er derweil erfahren, wo der größte Unterschied zwischen Bundesliga und dänischer Liga liegt. "In Dänemark wird das Kreuzen noch viel schneller gespielt", sagt er und kreuzt dabei schnell die Arme. "In Deutschland ist das zwar auch schnell, aber dabei wird noch viel mehr Körpereinsatz gefordert", erklärt er und ruckt die Schultern zur Seite und wieder zurück: "Hier geht es immer volle Pulle."

Vor voller Pulle hatte er entsprechenden Respekt, nicht nur in Anbetracht seines zuvor lädierten Oberschenkels. "Ich hatte vor dem Spiel in Hannover müde Beine, und als der Trainer anzeigte: jetzt geht`s los, da hatte ich ein bisschen Angst darum, dass wirklich alles in Ordnung ist", erinnert sich Bagersted. "Aber dann waren die Schmerzen weg, und ich denke, das hat auch am Adrenalin gelegen."

Das entwickelte er sichtbar auf dem Feld, gerade in der Abwehr, wo er den Mittelblock - hart am Mann, reich an Gestik - mit Michael Haaß oder Fabian van Olphen festigte. Für Bagersted war es "ein super Gefühl, mit der Mannschaft zu spielen". Aber das wird noch ein ganz anderes sein, wenn er am morgigen Mittwoch sein Heimdebüt gegen Flensburg-Handewitt (20.15 Uhr) gibt. Bagersted kennt die Norddeutschen, in der Vorsaison musste er sich mit Aalborg Håndbold in der Champions League zweimal geschlagen geben gegen den späteren Titelträger. So gesehen hat Bagersted noch eine Rechnung offen. "Es ist immer ein Ereignis, gegen ein Top-Team zu spielen", erklärt der 1,94-Meter-Hüne seine Vorfreude, "und dann vielleicht vor 6000 oder 7000 Zuschauern."

Diese Vorfeude setzt manchmal die letzten zehn Prozent Leistung frei, die ihm noch zum vollen Leistungsvermögen fehlen, meint Bagersted. "Körperlich geht es schon sehr gut, mir fehlt nur noch ein wenig das Ballgefühl", stellt er klar. Und bringt es dann lächelnd und mit sanfter tiefer Stimme auf den Punkt: "Es geht noch mehr Bagersted."