Magdeburg l Bartosz Jurecki mag das Wasser und den Wald. Deshalb zieht es ihn in der freien Zeit nicht in den heißen Süden, sondern in sein Haus nahe seiner polnischen Heimatstadt Koscian. Dort hat der 35-Jährige alles, was auch Gattin Magdalena und Tochter Agata zum Leben brauchen. Vor allem hat er Ruhe nach und vor den Strapazen einer Saison. Seit Montag allerdings, seit dem Gespräch zwischen ihm, seinem Berater und dem SCM, muss er nach künftigen Strapazen suchen.

Der Bundesligist wird den Vertrag mit dem Kreisläufer nicht mehr verlängern, Jureckis Engagement läuft mit Ende dieser Saison aus. Per Erklärung des SCM lässt der 1,93-Meter-Hüne mit Spitznamen "Shrek" mitteilen: "Ich habe die Entscheidung mit Wehmut aufgenommen. Dass dieser Zeitpunkt in der Profikarriere einmal kommt, ist leider unausweichlich."

Jurecki, Publikumsliebling und "Handballgott", ist konsequent die Karriere eines Bodenständigen gegangen. Er wechselte 2006 von seiner ersten Profi- station Chrobry Gogów zu seiner zweiten Profistation nach Magdeburg, er bestritt seither 245 Bundesliga-Spiele (708 Tore). Und was für Magdeburg wohl viel wichtiger war: Jurecki war immer der Akteur, dem Weltklasse bescheinigt wurde, und der auch in jener harten Zeit zum SCM hielt, als die Welt über Grün-Rot per finanziellem Kollaps zusammenzubrechen drohte. "Die Entscheidung, den Vertrag mit Bartosz nicht zu verlängern", sagte der Sportliche Leiter des SCM, Steffen Stiebler, deshalb am Dienstag nicht nur mit Worten, sondern mit seiner kompletten Mimik, "ist sicherlich eine der schwierigsten und schmerzhaftesten in den letzten Jahren."

Der SCM wollte nicht warten, er hatte Jureckis Berater eine Entscheidung im September zugesagt. Und der SCM entschied sich gegen ihn und für "den Veränderungsprozess, den wir bereits angeschoben haben", so Stiebler. Ein Teil der Ü-30-Fraktion musste im Sommer gehen, jüngere Akteure wurden geholt. Und mit dem freiwerdenden Gehalt von Jurecki "sind wir variabler bei der Verstärkung anderer Positionen". Am Kreis hat der SCM Jacob Bager- sted (27) und Maciej Gebala (20) außerdem. Zumindest soll der Youngster verstärkt ins Training bei Coach Geir Sveinsson integriert werden.

Womöglich wird Jurecki in seine Heimat zurückkehren, aufhören kann er wohl noch nicht. Er braucht die Strapazen einer Saison, um sich den Traum von der Heim-EM 2016 zu verwirklichen. Deshalb hätte er sich über eine Vertragsverlängerung gefreut. Und er will sich den zweiten Traum erfüllen, noch einmal mit Bruder Michal (KS Kielce) in einem Verein zu spielen. Bis dahin aber "werde ich bis zum letzten Spieltag für den SCM alles geben, so wie mich das Magdeburger Publikum kennen und schätzen gelernt hat". Es kommt noch viel Sturm vor der Ruhe.