Magdeburg l Der erste kalte Schauer lief beim Einlauf von Bartosz Jurecki über den Rücken, die Fans in der Getec-Arena bereiteten dem 35-jährigen Polen einen ohrenbetäubenden Empfang, wie ihn nur lebende Legenden erhalten. Und wenige Minuten später, nach dem die Partie begonnen hatte, erzielte der legitime Nachfolger des Kreispielers, der im Sommer 2015 den Verein verlassen wird, seinen ersten Treffer für Grün-Rot überhaupt: Jacob Bagersted, 27 Jahre, traf zum 2:1 in der sechsten Minute. Es war zugleich das Heimdebüt des Dänen in der Getec-Arena. Es war der Beginn eines noch 30 Spiele dauernden Generationswechsels.

Beide Akteure hatten dabei ihren Anteil an einer unfassbar starken bis atemberaubenden Vorstellung des SCM, der mit einer großartigen Abwehrleistung - Keeper Jannick Green (zwölf Paraden) inkulsive - die Gäste in der ersten Halbzeit zuweilen deklassierte. Robert Weber markierte in der 23. Minute das 11:3, das war nicht normal für den Champions-League-Sieger aus dem Norden. Dario Quenstedt, der Keeper, der am Montag seinen 25. Geburtstag feierte, hatte im Vorfeld erklärt: "Klar, ein Sieg zu Hause gegen Flensburg ist immer was Schönes, aber der kommt nicht von alleine."

Der kam in der ersten Halbzeit mit acht Ballgewinnen in der Abwehr, mit sieben Paraden von Keeper Green, mit der zweiten Welle, mit allem körperlichen Einsatz, den die Magdeburger zu bieten hatten. "Wir wussten, dass Holger Glandorf ein sehr guter Werfer und Thomas Mogensen stark im Mann-gegen-Mann ist", berichtete Bagersted über die Vorbereitung auf die Partie. Mogensen und Glandorf waren so gut wie aus dem Spiel genommen.

Und wenngleich die Gäste bis zur Pause auf 13:8 verkürzten, präsentierten die Schützlinge von Trainer Geir Sveinsson von der ersten Minute an die größeren Willen, diese Partie zum Sieg zu ziehen.

Mit Kevin Moeller im Tor und der Atempause in der Halbzeit kamen stabilere Flensburger aus der Kabine, nutzten nun die Lücken konsequenter zum Torerfolg und verkürzten zwischenzeitlich auf drei Tore (19:16/40.). "Da haben wir die eine oder andere Lücke zu viel gelassen, aber das passiert", meinte Bagersted.

Aber als Fabian van Olphen zum 22:17 (44.) traf und die Magdeburger auch danach im Eiltempo die richtige Anwort gaben (ganz stark nicht nur in dieser Phase: Marko Bezjak), war der Weg zum 29:26-Sieg geebnet (24:20/49.; 27:21/53.; 28:23/58.).

Und mit der Schlusssirene lief der letzte Schauer über den Rücken: Die Mehrzahl der 6005 Zuschauer, die sich schon drei Minuten vor Ende zum Standing Ovations erhoben hatten, bejubelten den Sieg ebenso ohrenbetäubend, wie sie Bartosz Jurecki empfangen hatten. "Jetzt bin ich müde", sagte Bagersted, der zweifache Schütze des Spiels nach dem Abpfiff. "Aber es ist ein super Gefühl, bei dieser Stimmung spielen zu dürfen."

SC Magdeburg
: Green, Quenstedt - Rojewski 4, Musche, van Olphen 2, Natek 2, Bagersted 2, Grafenhorst 2, Haaß 1, Bezjak 5, M. Gebala, Weber 8/4, Jurecki, Lie Hansen 3

Flensburg: Andersson, Moeller - Karlsson, Nenadic 1, Eggert 5/3, Glandorf 5, Morgensen 4, Svan 4, Wanne, Kaufmann, Jakobsen 1, Heinl, Zachariassen 1, Gottfridsson 5

Schiedsrichter: Baumgart/Wild. Zuschauer: 6005. Zeitstrafen: SCM 2/ Flensburg 2. Siebenmeter: SCM 4/4 - Flensburg 3/3