Magdeburg l Die typische Bezjak-Szene beginnt zirka zwölf Meter vor dem gegnerischen Gehäuse, man kann ihm dabei zusehen, wie er eine Entscheidung fällt - und wie er sie fortan sucht. Wenige Schritte später steht Marko Bezjak am Kreis, hat zwei Gegenspieler vor sich und deshalb zwei Lücken, eine links, eine rechts, im Passangebot. Das ist das Spiel des 28-Jährigen. Aber es ist noch vielmehr, wenn Bezjak nämlich gar nicht passt, sondern durch die beiden Gegenspieler geht, um selbst das Tor zu erzielen.

So oder so ähnlich hat er am Mittwochabend fünf seiner 17 Saisontreffer markiert beim 29:26-Erfolg des SC Magdeburg gegen die SG Flensburg-Handewitt. Das waren für einen Regisseur wie Bezjak nicht nur viele Treffer, es waren außerdem ganz entscheidende dabei: Zum Beispiel das Tor zum 21:17 (42.), als es also darum ging, Flensburg auf Abstand zu halten. Und was sagte er selbst zu seiner großartigen Leistung an jenem Abend? "Ich versuche immer, jede Partie so zu bestreiten wie gegen Flensburg, das war schon gut."

Wenn man Bezjak einen Spitznamen geben möchte, müsste er "der Unscheinbare" lauten. Bei allen Emotionen, die jedes Tor in Getec-Arena produziert, geht seine Vorleistung zuweilen in der Wahrnehmung verloren. Acht direkte Vorlagen wurden in der Saisonstatistik der Bundesliga bislang für ihn notiert - fünf Fehlpässe außerdem. "Wir wollen immer schneller spielen, über schnelle Mitte, den Gegenstoß, aber auch im Positionsangriff", erklärt er das erhöhte Risiko - gerade für ihn.

Bezjak hat einigen Anlauf zu solch einer Leistung wie gegen Flensburg genommen, seit dem Sommer 2013 trägt er das Trikot des SCM: "Die erste Saison, denke ich, ist immer schwieriger." Nicht nur wenn es um das Spielsystem geht, sondern erst recht, wenn man wie Bezjak mit Frau Dominika und Tochter Lina die Heimat Slowenien erstmals verlassen hat. Hinzu kommt die neue Liga, an deren Spielweise er sich zunächst gewöhnen musste. Jetzt hat er sich daran gewöhnt, sagt er. "Wir fühlen uns sehr wohl in Magdeburg, es macht Spaß hier zu spielen." Man könnte auch sagen: Sein feines Händchen hat an Leichtigkeit gewonnen.

Im System musste er sich zur laufenenden Saison erneut umstellen. Mit Espen Lie Hansen ist ihm ein Norweger zur linken Seite gestellt worden, der ganz anders agiert als dessen Vorgänger Stefan Kneer (jetzt bei Rhein-Neckar Löwen). "Espen ist mehr der Werfertyp", erklärt Bezjak. "Aber wir stellen uns langsam aufeinander ein, unser Spiel wird immer besser."

Der Positionsangriff ist auch gar nicht das derzeitige Hauptmanko des SCM, obwohl "wir dort noch geduldiger spielen müssen". Vielmehr aber "können wir über die zweite Welle noch mehr Tore erzielen", bestätigt Bezjak den Eindruck, den auch Bartosz Jurecki gewonnen hat: "Da geht es für uns manchmal zu schnell, da können wir noch zwei, drei Pässe einstreuen", hatte der Kreisspieler erklärt.

Wenn das funktioniert, und der Positionangriff außerdem, und "wenn wir die Abwehrleistung aus der ersten Halbzeit gegen Flensburg-Handewitt immer abrufen können", sagt Bezjak, "dann spielen wir richtig guten Handball". Zeit zum Träumen hat er deshalb nicht, wenngleich "in Slowenien alle immer Erster werden wollen", meint er lächelnd. Und ergänzt dann: "Ein fünfter Platz am Saisonende sollte es mindestens sein. Aber ich denke, wir können noch mehr." Der derzeitige dritte Platz ist für mehr eine gute Ausgangsposition.