Magdeburg l (K)eine besondere Ehre in der Handball-Saison 2014/15 für Robert Weber: Der Rechtsaußen des SCM, achtfacher Kunsttorschütze beim 29:26-Heimsieg gegen Flensburg, wurde von der Handball-Bundesliga (HBL) mit der Wahl in die Mannschaft des 6. Spieltages geehrt. Zwar ist der kleine Österreicher weder eitel noch selbstverliebt, und er legt als "absoluter Teamplayer" (O-Ton Kapitän Fabian van Olphen) auch keinen gesteigerten Wert darauf, sich von der Masse abzuheben - dennoch hat es ihn "natürlich sehr gefreut", als er am Dienstag von der besonderen Ehre erfuhr.

"Wurde ja auch Zeit", frotzelt Weber. "Eigentlich hätte ich schon nach den 13 Toren beim Bergischen HC damit gerechnet ... Aber Scherz beiseite: Jede Auszeichnung ist etwas Besonderes und ehrt mich, aber es ist nicht so, dass mir das super-wichtig ist." Er könne auch gut damit leben, nicht der Top-Torschütze zu sein. "Viel wichtiger ist, als Team zu funktionieren und gemeinsam erfolgreich zu sein", verteilt der 28-Jährige die Lorbeeren auf seine Mitspieler, die ihm "nahezu blind vertrauen und damit das nötige Selbstvertrauen geben" würden.

Dass er nach sechs Spieltagen auf 50 Treffer, eine unglaubliche Quote von 92 Prozent bei den Siebenmetern (22 von 24) sowie einen Schnitt von 8,3 Toren pro Partie kommt, weiß Weber nur zu gut. Denn obwohl er "kein Erbsenzähler oder Statistik-Freak" sei, führt er seit dieser Saison Buch über sein Handwerk: "Ich notiere nach jedem Spiel Ergebnis, Tore, Wurfvarianten und vermerke das Wann, Wie und Wo der Fehlwürfe", verrät er ein kleines Geheimnis. Der Grund läge buchstäblich auf der linken Hand: "Ich bin längst noch nicht perfekt, will mich kontinuierlich verbessern und hoffe, dass mir meine Notizen schon in der Rückrunde dazu verhelfen, meine Quoten noch weiter hochzuschrauben."

Kein Geheimnis ist dagegen, dass ihn die gegnerischen Torhüter besonders auf dem Kieker haben. Das läge in der Natur der Sache, seit über fünf Jahren beim SCM der Siebenmeterschütze vom Dienst zu sein. Doch Weber ist besser gewappnet denn je. "Unser neuer Torhüter-Trainer Thomas Svensson, der lange Zeit bei den Löwen mit auf der Bank saß, hat mich eingeweiht, wie genau sich ein Gegner auf mich vorbereitet und wie Keeper einen Spieler zu lesen versuchen."

Nicht zuletzt deswegen ist Weber, der eigenen Angaben zufolge über "sechs, sieben verschiedene Wurfvarianten" verfügt und sich "aus der Situation heraus für einen Wurf entscheidet", auch stets auf der Suche nach neuen Tricks. Er schaut sich Videos an und nimmt Würfe per Zeitlupe auseinander. Und er ist ständig am Üben. "Nach jeden Training mache ich noch um die 20 Würfe vom Siebenmeterpunkt."

Doch das eigentliche Geheimnis seines Erfolges ist ein anderes. Es ruht quasi in Robert Weber selbst: "Ich bin ein rundum zufriedener und glücklicher Mensch, auch außerhalb des Spielfeldes. Ich glaube fest daran, dass dieser Gemütszustand der wahre Schlüssel zum Erfolg ist."