Gummersbach l Den VfL-Keeper "Carsten Lichtlein erst gar nicht ins Spiel kommen lassen" und die gegen Flensburg erkämpften zwei Punkte "mit einem Sieg in der Schwalbe Arena vergolden" - das war die Marschroute von SCM-Torjäger Robert Weber Co. im Traditionsduell gegen den VfL.

Doch das war einfacher gesagt als getan. Die Magdeburger, die sich bereits am Vortag auf den Weg gemacht und in Oberhausen übernachtet hatten, waren erneut mit allen 13 Stammspielern und ohne einen einzigen Youngster angereist. Und wie so oft gegen den Altmeister Gummersbach entwickelte sich von Beginn an ein intensiver, kampfbetonter und offener Schlagabtausch mit vor allem anfangs unnötigen Ballverlusten und technischen Fehlern auf beiden Seiten.

Bis zum 9:8 (Rojewski/16.) legten die Magdeburger jeweils vor, der VfL zog allerdings postwendend immer wieder nach. So richtig fanden die Magdeburger aber dennoch nicht ins Spiel, die Leichtigkeit und Treffsicherheit aus der Flensburg-Partie war verschwunden, jeder Zentimeter Freiraum, jeder Block in der Abwehr und jedes Tor musste hart erkämpft werden, zumal Lichtlein von Beginn an wie befürchtet oft seine Hand oder seinen Fuß im Spiel hatte. Vor allem SCM-Rechtsaußen Yves Grafenhorst erwischte einen gebrauchten Tag. Zudem kam der Rückraum bis auf Marko Bezjak (7 Tore) kaum zum Zuge.

Nach dem Wiederanpfiff wurde es noch enger, noch emotionaler und nach der durch Weber vom zum 16:15 gedrehten Führung auch noch etwas härter. Das gipfelte in einer Roten Karte für Joakim Larsson (37.), der Bezjak am Kreis mit einem Schlag ins Gesicht ausgebremst hatte.

Spätestens nach dem frech verwandelten "Ballklau" von Weber zum 17:16 (38.) kochte die Schwalbe Arena, und es war klar, mit Schönheit wird an diesem Nachmittag kein Blumentopf zu gewinnen sein. Jetzt waren vielmehr Nerven, Leidenschaft und Siegeswille gefragt. Bei den Gummersbachern drehte Lichtlein zur Höchstform auf, der SCM hielt mit Entschlossenheit dagegen, und der in der zweiten Hälfte ins Tor gekommene Dario Quenstedt parierte wichtige Bälle. So lag Magdeburg nach einem Treffer von Bezjak in Unterzahl mit 21:19 in Führung. "In dieser Phase haben wir es verpasst, auf drei bis vier Tore davonzuziehen", analysierte Steffen Stiebler, der Sportliche Leiter des SCM.

Eine Viertelstunde war noch zu spielen - und diese war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Lichtlein (VfL-Trainer Emir Kurtagic: "Er bot heute eine absolute Weltklasseleistung.") sorgte mit seinen Paraden für die Initialzündung, die Zuschauer peitschten den VfL nach vorn.

Dann das Herzschlagfinale: Die Uhr zeigte noch 25 Sekunden, der SCM war mit einem Tor in Rückstand (27:28), Jurecki kam als siebter Feldspieler. Doch die Ironie des Schicksals wollte es an diesem Tag, dass auch der alles entscheidende Wurf von Grafenhorst von "Magier" Lichtlein entzaubert wurde.

"Wir waren nicht effektiv genug und sind so auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden", lautete die ernüchternde Bilanz von Stiebler nach der zweiten Saisonniederlage.

Gummersbach: Lichtlein, Puhle - Becker, Bult 1, Ernst, Jonsson 1, Kühn 2, Larsson, Persson 4, Santos 8/5, Schindler 1, Schröder 10, von Gruchalla 1

Magdeburg: Green, Quenstedt - Weber 10/3, Bezjak 7, Haaß 2, Lie Hansen, Jurecki 2, Bagerstedt 1, van Olphen, Rojewski 2, Natek 1, Grafenhorst 2, Musche

Schiedsrichter: Brodbeck/Reich. Zuschauer: 3778. Siebenmeter: VfL 6/5; SCM 4/3. Zeitstrafen: VfL 4 - Rot für Larsson (37.); SCM 3