Magdeburg l Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: SCM-Handballer Andreas Rojewski spielt künftig für Polen. Mit dieser Entscheidung bietet sich dem 29-Jährigen, der im polnischen Neustadt geboren ist, seit seinem dritten Lebensjahr aber in Deutschland lebt und mit beiden Pässen ausgestattet ist, eine große Chance. "Für jeden Sportler sind die Olympische Spiele das Allergrößte, was es zu erreichen gibt. Und ich sehe die sehr große Chance, mir mit der polnischen Nationalmannschaft diesen Traum zu erfüllen und bei den Spielen 2016 in Rio dabei zu sein", erklärte Rojewski am Montag und bestätigte damit seine offizielle Berufung am Vortag durch Polens Nationalcoach Michael Biegler für die Länderspiele des Vizeweltmeisters von 2007 gegen Tunesien Ende Oktober.

Zur überraschenden Wendung sagte der Magdeburger: "Ich kenne und schätze Michael Biegler bereits aus den Zeiten als Trainer des SCM." Der Kontakt zu dem charismatischen Coach, der sich zuletzt mit Polen im WM-Playoff erfolgreich gegen Deutschland durchgesetzt hatte, sei nie abgebrochen und das erstes Gespräch zu dem Thema "Trikot-Tausch" auch schon etwas länger her, "aber ich bin sehr glücklich, dass ,Beagle` mir jetzt das Vertrauen schenkt und so auch die Chance gibt, die EM 2016 in meinem Geburtsland oder die WM 2015 in Katar zu spielen. Auch das sind beides Ziele, für die ich mich als Handballer begeistern kann", so "Roje".

Dass er fließend Polnisch spricht, mache ihm laut Biegler "die Integration noch leichter". Er freue sich sehr über die Verstärkung, erklärte der Trainer gestern gegenüber der Volksstimme. "Ich spüre bei Andreas eine große Begeisterung für diese neue Herausforderung, und ich bin fest davon überzeugt, dass er eine Bereicherung für die Mannschaft ist."

Den Ritterschlag zum Nationalspieler der "Weiß-Roten" hat Rojewski auch von seinem Magdeburger Teamkollegen Bartosz Jurecki erhalten: "Bartosz ist ja das Sprachrohr in der Mannschaft und er hat sich explizit für meine Berufung ausgesprochen. Es ist ein schönes Gefühl, gebraucht und mit offenen Armen empfangen zu werden."

Das Gefühl hatte der Juniorenweltmeister (2004) was die deutsche Nationalmannschaft betrifft, längst verloren. Nach dem Debüt 2008 und weiteren fünf Länderspielen fand Rojewski seit März 2011 keine Berücksichtigung mehr im DHB-Team. "Das Thema ist durch, ich sehe da keine Perspektive für mich. Man muss nur die Augen und Ohren aufmachen, um zu wissen, was Sache ist und nach welchen Kriterien die Kader berufen werden. Doch wenn sich die eine Tür schließt, dann öffnet sich oft eine andere", so Rojewski, der zur vermeintlichen "Fahnenflucht" klarstellt: "Das Ganze ist keine Entscheidung gegen Deutschland. Mein Herz schlägt zwar auch für Polen, wo ich meine Wurzeln habe, aber meine Heimat und mein Zuhause ist und bleibt Deutschland."