Magdeburg | Berufung in die deutsche Nationalmannschaft, Flug gen Tokio und Start bei der Karate-Weltmeisterschaft an der Seite des Bruders bzw. der Schwester. Für die Geschwister Bianca und Stefan Walsleben geht in diesen Tagen ein Traum in Erfüllung. "Ein WM-Start ist das höchste Turnier, an dem ein Karatesportler teilnehmen kann, da die Disziplin nicht olympisch ist", so Stefan Walsleben, der bereits WM-Erfahrung gesammelt hat. 2009 errang er im amerikanischen Fort Lauderdale gar den Titel im Kumite-Team sowie Kumite-Einzel.

Für Schwester Bianca ist der Start bei dem Funakoshi Gichin Cup 13th Karate World Championship Tournament, so die korrekte Bezeichnung der Japan Karate Association (JKA), eine Premiere. Auch sie tritt für Deutschland in der Disziplin des Kumite (Darstellung des Kampfes zweier Kontrahenten ohne vorherige Absprache der Techniken) an.

Per E-Mail erhielten die Geschwister im Juni die frohe Kunde, ein Teil des Teams zu sein, das am 18. und 19. Oktober in Japans Hauptstadt nach dem WM-Titel greifen wird. "Gleich danach begann die Vorbereitung, die Woche für Woche gesteigert wurde", so die 26-jährige Germanistik-Studentin. Der Vorteil, mit dem Bruder im heimischen Hatsuun Jindo Karateclub (HKC) in Neu-Olvenstedt einen weiteren WM-Fahrer an seiner Seite zu wissen, mit dem die Vorbereitung gemeinsam absolviert werden kann, erwies sich dabei manchmal als Druck. Aber ein willkommener, so Bianca Walsleben: "Klar habe ich auch danach geschielt, wie oft Stefan aktiv ist." Der 30-jährige Beamte ergänzt schmunzelnd: "Geschenkt haben wir uns aber nichts. Meine Schwester ist sehr ehrgeizig." Und Kumite-Team-Europameisterin 2013.

So vermessen, nun in Tokio einen Titelgewinn einzuplanen, sind die Geschwister aber nicht. "Wir sind gespannt auf die anderen Sportler und freuen uns auf die Millionenmetropole. Eine Weltmeisterschaft ist ohnehin schon etwas Besonderes", so Bianca Walsleben. Dass diese im Mutterland des Karate ausgerichtet werde, übertreffe alles. Das I-Tüpfelchen sei die Anwesenheit des Bruders, der für die Herrennationalmannschaft startet. Stefan Walsleben fungiert im Dojo an der Johannes-Göderitz-Straße als Sensei (Cheftrainer) und hat einst seine Schwester zum Karate gelotst. "Leider können wir unsere Kinder nicht begleiten. Sie werden sich in Tokio gegenseitig unterstützen und wir aus Magdeburg mitfiebern", so Claudia Walsleben.

In den letzten Tagen vor dem Beginn der Weltmeisterschaft heißt es sich auszuruhen und zu konzentrieren. "Viel mehr kann man nicht mehr tun. Ob wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, wird sich zeigen", so Bianca Walsleben mit einem Augenzwinkern.