Blankenburg/Oberhof lSie wollte ein wenig Hobbysport betreiben in der Zeit nach den Winterspielen in Sotschi. Alles Mögliche also, nur kein Rennrodeln. Aber Tatjana Hüfner hat selbst Hobbysport nicht geschafft, sie betrieb dafür ausgiebig Entspannung. "Ich habe einfach in den Tag hineingelebt", berichtete sie, "mein Körper hat zwei Monate gebraucht, um wieder runterzukommen. Das war eine ganz neue Erkenntnis."

Jetzt ist Tatjana Hüfner zurück im Eiskanal. Die Selektion für die kommende Weltcup-Saison steht an. Sie müsste diese nicht fahren, sie ist für den Auftakt am 29./30. November in Innsbruck-Igls (Österreich) gesetzt. Sie will sich trotzdem mit den besten Deutschen messen. "Und ein gutes Bild abliefern", sagte sie. Einige Athleten aus der Oberhofer Schmiede hat es aus dem Fokus der Kameras und in den Vorruhestand getrieben nach dem letzten Winter: den Rodler David Möller etwa, die Skeleton-Piloten Marion Thees und Frank Rommel außerdem. Hüfner ist im Bild geblieben, für die Entscheidung dazu hatte sie sich viel Zeit genommen. "Aber ich musste sie bis Ende April treffen, sonst wäre es für die Saisonvorbereitung eng geworden", erinnerte sie sich im Telefongespräch mit der Volksstimme.

Für manche mag es überraschend gewesen sein, dass die 31-Jährige dem Rodeln treu geblieben ist. Hüfner hatte in Sotschi, als sie Silber hinter Natalie Geisenberger (Miesbach) gewann, das prominente und öffentliche Forum genutzt, um die Ungleichbehandlung der Athleten innerhalb des Bob- und Schlittenverbandes zu kritisieren. Das sorgte für einen Aufschrei, aber es sorgte letztlich für keine Veränderung. Und die Blankenburgerin hatte sich deshalb gefragt: "Kann ich damit leben?" Sie kann.

Training nach eigener Erfahrung

Sie empfindet auch keinen anderen Umgang des Umfeldes mit ihr. Die Karriere geht also weiter, als hätte dieses Ereignis in Sotschi nicht stattgefunden. Sie hatte dann bei der Verkündung, ihre Laufbahn fortzusetzen, zunächst von einem Jahr gesprochen, sie wollte sehen, ob es ihr überhaupt noch Spaß macht, in diesem Zirkus ihren Schlitten zu domptieren. Heute klingt das etwas anders, denn die Frage lautet weiterhin, ob Olympia 2018 für sie ein Thema ist. Darauf gab sie nun diese Antwort: "Wir werden sehen, momentan gefällt mir mein Sport sehr gut." Man konnte ihr Lächeln durchs Telefon sehen.

Hüfner, Olympiasiegerin von Vancouver 2010, hat den Vorteil, nichts zu müssen und vieles zu können. Sie studiert "Pädagogik der Kindheit" in Erfurt, was ihr außerordentlich gefällt. Sie trainiert nach eigener Erfahrung und in Absprache mit Coach Jan Eichhorn. "Die läuft über die modernen Kommunikationswege." Ihre einstigen Rückenprobleme sind schon lange nicht mehr aufgetreten. Und als sie in dieser Woche ihren ersten Lehrgang im Oberhofer Eiskanal absolvierte, "bin ich überraschend gut zurechtgekommen, mehr kann man noch nicht sagen", erklärte Hüfner.

Aber nach der Selektion, die Ende Oktober in Winterberg beginnt, kann man das. Und nach dem Saisonhöhepunkt, die Weltmeisterschaft in Sigulda (Lettland) im Februar, kann sie es vielleicht auch zu diesem Thema: Macht Tatjana Hüfner weiter bis Olympia 2018 in Pyeongchang (Südkorea)?