Magdeburg l Zum Trost nach zu viel Chaos hat der Nachwuchstrainer des SC Magdeburg, Thomas Ackenhausen, ein Porträt gezeichnet von Franziska Hentke - mit blauem Kugelschreiber auf kleinkariertem Papier. Zumindest ist ein dunkelhaariges Mädchen darauf zu erkennen, ein paar undefinierbare Zeichen außerdem. Und nicht zuletzt hat Ackenhausen unter dem Porträt das Wort "Visum" vermerkt.

Mit diesem provisorischen Dokument, feierlich überreicht beim Training am Montag in der Elbehalle, hat Ackenhausen auf seine ganz eigene, lustige und auch liebevolle Art auf das Chaos an jenem Tag reagiert, an dem bis zum Abend nur sicher war, dass nichts sicher ist. Erst spät kam dann von aller Orten die Mitteilung: Hentke hat ein offizielles Visum für die China-Einreise. Hentke hat trotz Pilotenstreiks bei der Lufthansa auch einen Flug nach Peking. Hentke durfte also am Dienstag, 20.15 Uhr, ab Frankfurt/Main, zu ihrer Asientour im Kurzbahn-Weltcup aufbrechen. Und die führt sie über die drei Stationen Peking, Tokio (Japan) und Singapur (siehe Infokasten). Eines darf man aus Erfahrung vorwegnehmen: In Asien fließt Hentke-Wasser.

2013 hat die 25-Jährige Gold in Singapur - ihr erster Weltcupsieg überhaupt - sowie jeweils Bronze in Tokio und Peking über 200 Meter Schmetterling gewonnen. Aber vom Medaillenziel ist sie diesmal weit entfernt. "Es macht einfach Spaß, sich mit der Weltspitze zu messen", verweist sie auf die internationale Konkurrenz mit Katinka Hosszu (Ungarn) und Mireia Belmonte (Spanien). Beide hatte sie im vergangenen Jahr geschlagen. "Sie soll einfach wieder in den Rhythmus auf internationaler Ebene und den Anschluss auch auf den anderen Distanzen finden", erklärte SCM-Trainer Bernd Berkhahn, der die Leistungen seines Schützlings von Magdeburg aus analysieren wird. Uwe Witte, Coach im Bundeswehr-Stützpunkt Warendorf, betreut Hentke ebenso auf der Tour wie Paul Biedermann (Halle), Steffen Deibler (Hamburg) und Robin Backhaus (Berlin).

Ihre anderen Distanzen sind vor allem die Lagen: "Wir haben viele Starts geplant, damit sie sich dort weiter verbessern kann. Aber sie ist jetzt noch nicht so weit, dass sie an ihre Bestleistungen heranreichen könnte", so Berkhahn. "Nach vier Wochen Training kann ich nicht einschätzen, wo ich stehe", meinte Hentke. Die Bestzeit über 400 Meter Lagen auf der kurzen Bahn liegt bei 4:35,09 Minuten, die auf ihrer Paradedistanz, den 200 Metern Schmetterling, bei 2:03,47 Minuten. Beide Strecken gleichzeitig hatten erstmals in der abgelaufenen Langbahn-Saison in ihrem Fokus gestanden.

"Über die 400 Meter Lagen habe ich das Problem, kein ganzes Rennen, sondern immer nur 50 Meter auf den jeweiligen Teilstrecken richtig zu schwimmen, das wollen wir abstellen", so Hentke. Sie wird diese Distanz wohl bei der Kurzbahn-WM im Dezember in Doha (Katar) angehen. Ob sie auch die Norm für die Langbahn-WM in Kazan im August 2015 angreift, steht noch in den Sternen. Hauptsache, das Visum für die Einreise in Russland ist dann vor der WM rechtzeitig da.