Magdeburg l Nach nicht einmal 200 Sekunden lag der Ball erstmals im FCM-Tor, und die ausgelassene Pokalstimmung bekam einen Dämpfer. Leverkusens Kunstschütze Hakan Calhanoglu beförderte einen Freistoß aus 30 Metern zum 0:1 (3.) ins Netz und ließ FCM-Schlussmann Jan Glinker nicht gut aussehen. Trotzdem sollte es ein denkwürdiger Pokal-abend werden. Der FCM zeigte sich kaum geschockt, und bei Chancen von Josip Drmic (10.), Heung-Min Son (20.) und Tin Jedvaj (21.) war Glinker dreimal glänzend zur Stelle.

Mit dem ersten ausgespielten Angriff gelang dem FCM der 1:1-Ausgleich. Nach Zuspiel von Christian Beck war der ehemalige Leverkusener Christoph Siefkes schneller als Ömer Toprak (28.). Bayer-Schlussmann Bernd Leno machte keine gute Figur. Spätestens jetzt "knisterte" es wieder im Stadion, und die FCM-Fans im Block U bekamen ihre "zweite Luft".

Schon vor dem Gegentor wirkte Leverkusen nicht immer sattelfest. Möglicherweise eine Folge der Rotation: Trainer Roger Schmidt veränderte nach den Belastungen in Bundesliga und Champions League seine Mannschaft auf vier Positionen. Jung-Nationalspieler Karim Bellarabi blieb sogar in Leverkusen. FCM-Trainer Jens Härtel baute seine Mannschaft gegenüber dem 6:0-Sieg in Bautzen auf einer Position um. Lars Fuchs musste wie beim 1:0-Sieg in der ersten Runde gegen den FC Augsburg zunächst auf die Ersatzbank, für ihn kam Marcel Schlosser in die Startformation.

Kurz vor der Pause rettete erneut Glinker (43.) gegen Son, so dass der FCM mit einem 1:1 in die Kabine gehen konnte - ein Achtungserfolg, insbesondere nach dem frühen Rückstand.

Mit Beginn der zweiten Hälfte übernahmen die Gäste wieder das Zepter, richtig zwingend wirkte das Spiel des Tabellenfünften der Bundesliga aber nicht. Einen Schuss vom eingewechselten Robbie Kruse parierte Glinker (52.). Im Angriff lauerte Christian Beck auf seine Chance, den Siegtorschützen gegen Augsburg verließen aber zusehends die Kräfte.

Nach genau einer Stunde brachte Härtel drei frische Leute: Lars Fuchs, Nicolas Hebisch und Matthias Steinborn kamen in die Partie. Auch Schmidt reagierte: Für Lars Bender wechselte er Levin Öztunali in das pomadige und ungenaue Bayer-Spiel ein, gegen das der FCM längst Gleichgewicht erzielt hatte. Numerisch war die Mannschaft Sekunden später sogar in Überzahl: Nach einem Tritt gegen Silvio Bankert zückte Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) glatt Rot gegen Son (78.).

Jetzt wurde es ein Pokal-Fight und dramatisch: Kyriakos Papadopoulus köpfte nach Freistoß an die Latte (84.). Einziger Aufreger der ersten Hälfte der Verlängerung: Eine verunglückte Flanke von Steinborn hätte sich Leno fast ins Netz geboxt (103.). Auch die nächste Chance hatte der FCM: Ein Schuss von Hebisch (108.) klatschte an die Latte. Drei Minuten später schlug es ein: Nach einem tollen Angriff über Hammann zimmerte Niklas Brandt den Ball zum 2:1 in die Maschen (111.). Bayer war aber noch nicht geschlagen: Nach einem Freistoß köpfte Papadopoulus zum 2:2 (115.) ein und rettete Bayer in das Elfmeterschießen.

Hier lagen alle Trümpfe nach zwei verschossenen Bayer-Elfmetern auf Seiten des FCM, doch Nicolas Hebisch und Brandt konnten den Vorteil nicht nutzen. Auch hier ging es in die Verlängerung: Der Fehlschuss von Fuchs war dann zu viel und das bittere Pokal-Aus.