Magdeburg/Stuttgart l Wenn der Kampf zwischen den beiden Ex-Weltmeistern Robert Stieglitz und Felix Sturm am Sonnabend in Stuttgart auch nur halb so interessant wird, wie das Säbelrasseln im Vorfeld, dann dürfen sich die Fans auf einen Box-Abend der Extraklasse freuen. Denn, obwohl es um keinen Titel geht, fliegen bereits seit Tagen verbal die Fetzen. Bei der Pressekonferenz gestern gaben sich die Rivalen allerdings "lammfromm".

Da Sturm eigentlich im Mittelgewicht (72,5 Kilo) zu Hause ist, Stieglitz eine Klasse höher im Supermittel (76,2), einigten sich beide auf ein "Catch-Weight" von 75,5 Kilo. Doch auch wenn es um keinen Gürtel geht, ist der 35-jährige Sturm "heiß" auf das Prestigeduell mit dem ehemaligen WBO-Champion: "Das wird ein Kampf, über den noch sehr lange gesprochen werden wird. Wir sind beide offensive Boxer, die immer im Vorwärtsgang kämpfen. Das wird schwierig, aber ich bin sehr gut vorbereitet." Aber auch Stieglitz gab sich selbstbewusst: "Wir kämpfen praktisch in meiner Gewichtsklasse, deshalb sehe ich mich im Vorteil. Ich kann Felix schlagen, und werde das auch tun."

Wesentlich heftiger war es im Vorfeld zur Sache gegangen. Sturm hatte seinen Gegner als "boxerisch limitiert" bezeichnet. Und vor allem gegen Dirk Dzemski fuhr der Ex-IBF-Weltmeister scharfe Geschütze auf. Der SES-Trainer sieht Sturm "in einer anderen (unteren) Liga" als Stieglitz oder Arthur Abraham. Und der Coch prophezeite Sturm, dass er "nach dem Kampf die Handschuhe an den Nageln hängen" werden müsse, . Sturm: "Es gibt dumme Boxer und dumme Trainer. Dzemski habe ich als Amateur zweimal verprügelt und k.o. geschlagen. Vielleicht hat er das immer noch nicht verkraftet?!" Stieglitz` Konter folgt in der "Sport Bild" (Mittwoch-Ausgabe) : "Felix lässt dumme Sprüche vom Stapel, verhält sich nicht korrekt. Er ist ein kleiner Angeber geworden. Ich bleibe lieber am Boden. Dann fällt man nicht so tief runter", so der Magdeburger.

Derweil räumte SES-Promoter Ulf Steinforth gestern mit einem Missverständnis auf, denn bisher hatte es geheißen, dass der Gewinner des Duells voraussichtlich gegen Supermittel-Champion Abraham antreten wird: "Diese Konstellation war für uns nie ein Thema. Ich habe Roberts Status bei der WBO-Convention letzte Woche in Las Vegas geklärt: Er ist die aktuelle Nummer eins der WBO-Rangliste. Wenn er gegen Sturm gewinnt, ist er der nächste Pflichtherausforderer von Abraham. Verliert Robert, boxt die Nummer zwei gegen Abraham."