Kiel l Mit der Super-Aussicht vor Augen, mit einem Sieg gegen den SCM im besten Fall an den Rhein-Neckar Löwen vorbeizuziehen und die Tabellenspitze zu erobern, legten die Hausherren los wie die Feuerwehr. 6:2 hieß es nach zehn Minuten. Doch schon in der Anfangsphase deutete sich an, dass die Partie der beiden Traditionsvereine einmal mehr auf eine Abwehrschlacht hinausläuft, in der vor allem auch auf die Torhüter ankam. Dabei machte SCM-Keeper Jannick Green gar keine so schlechte Figur, vereitelte einige Hundertprozentige und verhinderte so einen noch größeren Rückstand.

Mühsam ernährte sich dagegen das Eichhörnchen im Magdeburger Angriff. Doch die harte Arbeit in der Abwehrreihe wurde in Torerfolge umgemünzt. Nach einem Dreierpack (2 x Musche, 1 Jurecki) hatte der SCM beim 6:7 Tuchfühlung (16.).

Doch statt sich festzubeißen, stand der SCM sich erneut selbst im Weg. Die Kieler fackelten nicht lange, nutzten die Schwächen der Gäste eiskalt aus und enteilten auf 12:7 (22.). In der danach genommenen Auszeit der Magdeburger lohnte sich ein Blick auf die Statistik. Und vier nackte Zahlen machten deutlich, wo der Hase im Pfeffer lag: Acht Fehlwürfe, acht technische Fehler, drei Zeitstrafen und null Tore aus dem Rückraum nach 22 Spielminuten - da brauchte der THW nicht einmal zu glänzen, um mit einem beruhigenden Sechs-Tore-Polster in die Halbzeit zu gehen. Vor lauter Freude schlug das THW-Maskottchen Hein Daddel bereits Purzelbäume.

In Ekstase tanzte das Zebra gar in der 36. Spielminute, denn der THW-Express hatte richtig Fahrt aufgenommen und den SCM derart überrollt, dass Trainer Geir Sveinsson sich angesichts eines des 12:21 zu einer frühen Auszeit gezwungen sah.

Nun bekam Youngster Tomasz Gebala die langersehnte Chance, es besser zu machen als der bis dahin torlos gebliebene Espen Lie Hansen im linken Rückraum. Und der junge Pole hatte wenig später auch Erfolg, traf zum 15:23 (40.). Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die Messen so gut wie gesungen.

Kiel, beim letzten Aufeinandertreffen mit dem SCM an gleicher Stelle noch mit einem 27:27 nahezu gedemütigt, kannte diesmal keine Gnade, machte weiter mächtig Druck. Angesichts dieser geballten Energie gaben die Magdeburger oftmals eine unglückliche Figur ab. Selbst Torgarant Robert Weber ließ sich anstecken und quittierte seine eigenen Fehler mit Kopfschütteln. Der zwischenzeitlich eingewechselte Dario Quenstedt bekam keine Hand an den Ball. Green kam zurück, konnte den Karren aber ebenso nicht mehr aus dem Dreck ziehen. Beim 26:15 (43.) rollte bereits die La-ola-Welle durch die Arena, 10 250 Zuschauer waren begeistert. SCM-Sportchef Steffen Stiebler konnte sich das Drama auf dem Feld kaum ansehen, er versuchte die Akteure wachzuschreien, und forderte lautstark zum Kämpfen auf - doch alles war nach diesem anfangs noch verheißenden, dann aber völlig verkorkstem Abend vergebens.

"Bei uns hat es heute an allem gefehlt. Uns haben im Angriff den Kielern die einfachen Tore geschenkt und Sjöstrand hatte im Tor einen guten Tag. Wenn dann auch noch der Rückzug nicht richtig klappt, dann verliert man eben mit zwölf Toren in Kiel", legte Yves Grafenhorst nach der Partie den Finger in die Wunde.

Kiel: Sjöstrand, Palicka - Duvnjak 6, Toft Hansen 2, Sprenger 1, Weinhold 2, Wiencek 1, Eckberg 8, Lauge Schmidt 2, Canellas 5/3, Dahmke 2, Klein 4, Vujin 1

SCM: Green, Quenstedt - Weber 3/1, Bezjak 3, Haaß 1, Lie Hansen 1, Jurecki 2, Bagersted 2, van Olphen 1, Rojewski, Natek 1, Grafenhorst 4, Musche 3, Gebala 1

Schiedsrichter: Immel/Klein. Zuschauer: 10 250. Siebenmeter: Kiel 3/3, SCM 1/1. Zeitstrafen: Kiel 2; SCM 6