Magdeburg l Es gibt Tage, da würde Rob Muffels nicht so gut gelaunt und mopsfidel die "heiligen Hallen" des Magdeburger Sportgymnasiums betreten wie am morgigen Sonnabend. Obwohl kein Unterricht ist, kommt der 20-Jährige freiwillig und gern in die Schule - und das sogar mit den extra aus Elmshorn angereisten Eltern im Schlepptau. Aus gutem Grund: Anlässlich des "Tages der offenen Tür" der Sportschulen (9 bis 12 Uhr) wird der Freiwasserschwimmer als "Sport-Eliteschüler des Jahres" ausgezeichnet.

Damit tritt der Langstreckenspezialist, der im Sommer bei der Heim-EM in Berlin überraschend Silber über 5 Kilometer und im Team Bronze gewann, in die Fußstapfen von Philipp Syring. Der SCM-Ruderer, frischgebackener Junioren-Weltmeister im Doppelzweier, erhielt die Auszeichnung im Vorjahr. "Das ist schon eine große Ehre für mich", sagt Muffels. Allerdings sieht er sich auch in der Pflicht, denn schließlich sei er als Aushängeschild der Sportschulen jetzt so etwas wie "das große Vorbild für die Kleinen".

Muffels war 2012 seinem Trainer Bernd Berkhahn von Elmshorn zum SC Magdeburg gefolgt, Schulwechsel und Internatsbezug inklusive. Wenn er von neugierigen Viertklässlern und Mitschülern in spé oder deren Eltern heute beim Tag der offenen Tür gefragt werden würde, wie der durchorganisierte Alltag an einer Eliteschule des Sports aussieht und ein Schulwechsel empfehlenswert wäre, dann würde er ehrlich sein: "Leistungssport und Schule unter einen Hut zu bringen, ist kein Kinderspiel. Schon gar nicht im Abiturbereich." Der vollgepackte Alltag sei gerade für einen Schwimmer beschwerlich. "Man muss seinen Sport schon sehr lieben und ihm dann alles unterordnen." Party machen, im Internat alle Fünfe gerade sein lassen und bis in die Puppen fernsehen "iss nich". Selbst "Chillen" sei zeitlich kaum drin. "Aber nur so geht´s im Leistungssport, entweder ganz oder gar nicht. Es gibt kaum eine solche Schule wie hier in Magdeburg, wo du das Top-Umfeld dafür vorfindest", glaubt Muffels.

Doch auch der Vize-Europameister ist kein Superman, und so kennt er auch Tage, "an denen ich mal die Nase voll habe von der ganzen Hetzerei zwischen Schule und Elbeschwimmhalle. Vor allem über den Winter hinweg ist es knüppelhart". Beispielsweise, wenn vor dem Unterricht um 6.30 Uhr bereits die erste Trainingseinheit ansteht und der Körper nach der "Kachelzählerei" auf den Regenerations-Modus umschaltet. Dann ist der Schritt die Treppen hinauf in die Unterrichtsräume gar nicht mehr so forsch. Und gar widerwillig betritt Muffels das Schulgebäude, "wenn Mathe ansteht, denn da habe ich echt Probleme. Da mache ich lieber fünfmal Training hintereinander", gesteht der Abiturient, der das Privileg der Schulzeitstreckung nutzt und die 13. Klasse besucht. Im Frühjahr will er sein Abitur machen, und das hoffentlich mit einem für ihn akzeptablen Notendurchschnitt: "Unter 3,0 sollte es schon sein." Spätestens dann wird Rob Muffels ein letztes Mal fröhlich, beschwingt und wohl auch ein wenig stolz die Schultreppen hinunter- hüpfen.