Magdeburg l Der Handball in Deutschland hat arg zu kämpfen, doch längst nicht mehr nur gegen den "großen Bruder" Fußball. Vor allem was die TV-Präsenz, Einschaltquoten und die Zuschauerzahlen in den bundesweiten Arenen betrifft, befinden sich Eishockey und vor allem Basketball dank einer Kooperation mit der Telekom auf der Überholspur.

Das nicht zuletzt wegen der Negativschlagzeilen um die Nationalmannschaft schwindende Interesse gipfelte zuletzt darin, dass der Handball-Fan beim EM-Qualifikationsspiel Österreich gegen Deutschland in die Röhre schaute. Livebilder gab es nur im Internet. Den zuvor von Sport1 übertragenen Auftakt gegen Finnland haben nach Angaben des Spartensenders im Schnitt nur 120 000 Zuschauer gesehen. Reichweiten mindernd habe sich dabei die parallel in der ARD live übertragene DFB-Pokalpartie Hamburger SV gegen Bayern München ausgewirkt, erklärte Michael Röhrig, Teamleiter Kommunikation, der Volksstimme.

Im Gegenzug bezeichnete Röhrig den SCM als "Quotenbringer" in der Liga und belegtdas mit Zahlen: "Die bisherigen vier Live-Übertragungen in dieser Saison mit Beteiligung des SC Magdeburg sahen im Schnitt 240 000 Zuschauer. Das ist ein Marktanteil von 1,5 Prozent in unserer Kernzielgruppe Männer 14 bis 49 Jahre." Damit läge der Ostclub "etwas über dem Gesamtschnitt" (220 000 Zuschauer/1,1 Prozent Marktanteil). Auch am Spitzenwert hatte der SCM Anteil: Beim Spiel gegen Flensburg schalteten 320 000 Zuschauer ein.

Nicht nur Handball-Medienprofi Ute Krebs, die im Sommer von den Rhein-Neckar-Löwen zum THW Kiel wechselte und beim Liga-Krösus für Marketing und Strategie verantwortlich ist, macht sich große Sorgen: "Die Entwicklung ist schon besorgniserregend. Nicht nur, dass viele Vereine in der Liga mit Zuschauerschwund zu kämpfen haben. Vor allem was die Bewegtbilder anbelangt, verliert der Handball an Boden." Das beträfe nicht nur das Fernsehen, sondern vor allem Videos in den sozialen Netzwerken oder auf der Video-Plattform YouTube. "Auf diesem Gebiet hinken wir hinterher, und Basketball macht es vor, wie es gehen könnte", so Krebs, die beim Kampf um die Reputation der Marke Handball, "vor allem solche Marktführer oder Traditionsvereine wie den THW oder den SCM in der Pflicht" sieht.

Auch Handball-Ikone Stefan Kretzschmar regte in einer Diskussion zum Thema auf Facebook ein Umdenken an: "Es geht darum innovativ zu sein und zu erkennen wie sich das TV-Konsumentenverhalten verändert. Die Kids und Sportfans ziehen sich das meiste aus dem Netz. Sie schauen sich vieles nicht nur live an, sondern gut aufbereitet und zusammengefasst wann immer sie wollen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass ein TV-Sender kommt und uns zeigen möchte, sondern wir müssen uns zeigen."

Dass der SCM dem allgemeinen Trend trotzen kann, hat Gründe. Denn in Sachen Marketing oder neue Wege in der Sponsoren- oder Zuschauergewinnung sind die Magdeburger sehr innovativ und rührig. Die neu aufgelegte "Rückrunden-Dauerkarte" oder die Aktion "Magdeburger Kind" sind nur zwei Beispiele. Dabei setzt der Club "weiter konsequent auf die regionale Karte", erklärt SCM-Manager Marc Schmedt.

Und der Erfolg gibt ihm recht. Die Zahl der Dauerkarten wächst seit 2009 (2329) bis dato (3550) stetig. Auch bei den Zuschauerzahlen liegt der Verein bereits über dem Schnitt in der Vorsaison. Und die mediale Präsenz im MDR sei "überdurchschnittlich" im Vergleich zu anderen Vereinen. "Da können wir uns nicht beklagen", so Schmedt, der sogar noch Steigerungspotential sieht: "6000 Zuschauer im Schnitt und 4000 Dauerkarten sind realistische Ziele."