Magdeburg/Lübbecke l Der SCM-Trainer redete sich nach dem Trauerspiel seiner Mannschaft den Frust von der Seele. "Die Einstellung war heute ganz schlecht. Wir waren nicht bereit, für die zwei Punkte zu spielen und zu kämpfen", sagte Sveinsson in der Pressekonferenz und stellte damit seinen Jungs ein vernichtendes Zeugnis bei den "Kopfnoten" aus. "Lübbecke hat das sehr gut gemacht - man hat gemerkt, dass sie gewinnen wollen, bei uns habe ich das leider nicht gemerkt."

Es gab drei Schlüsselstellen in der Lübbecker Merkur-Arena, die das ganze Ausmaß der Misere beim "SC W - wie Wankelmut", der vor einer Woche noch mit 37 Toren beim Sieg gegen Melsungen glänzte, in Lübbecke dagegen mit 19 Fehlwürfen und 12 technischen Fehlern aufwartete, deutlich machten. Eine davon war der verpatzte Auftakt: Die ersten drei Angriffe gingen nach hinten los, so dass die Magdeburger sofort einem 0:3-Rückstand hinterhertrabten.

Vom Willen, sich aus dem selbstgegrabenen Loch herauszukämpfen, war allerdings nichts zu sehen. Niemand schien in der Lage, die Initialzündung für eine Kehrtwende zu geben. Und der Angriff war in seiner Ideen- und Hilflosigkeit ein Bild des Jammers. So hatte sich zumindest bei den Pessimisten unter den rund 50 mitgereisten SCM-Fans angesichts eines 5:12-Zwischenstandes (23. Minute) die Meinung manifestiert: Das war`s!

Szene zwei ereignete sich in der 35. Minute: Der SCM hatte die Chance, per Siebenmeter auf 12:16 zu verkürzen. Doch Robert Weber traf nur den Pfosten und scheiterte damit zum zweiten Mal vom Punkt. Der angestaute Ärger des Trainers entlud sich am Schützen. Völlig außer sich brüllte er ihn an, und nicht nur der Rechtsaußen war vom ungewohnten Gefühlsausbruch in aller Öffentlichkeit überrascht.

Die Wirkung war jedoch verblüffend, der SCM kämpfte sich auf 14:16 (38.) heran. Doch das Feuer loderte nur kurz, Lübbecke zog an und enteilte mit einem 4:1-Lauf auf 20:15 (43.).

Folgende Szene drei machte das Maß voll: Lübbecke verlor den Ball, doch von den drei nach vorne stolpernden Magdeburgern (van Olphen, Bager-sted, Grafenhorst) bekam keiner den Ball unter Kontrolle - auch diese Chance wurde liegengelassen.

Was auch immer Sveinsson danach noch versuchte (Wechsel der Torhüter bzw. Spielmacher, offene Manndeckung, "Herausnehmen" von TuS-Regisseur Drago Vukovic), die Lage war hoffnungslos, das Spiel vergeigt (19:25/52.).

Dem Vorwurf, möglicherweise zu spät oder falsch reagiert zu haben, entgegnete der Trainer im Nachgang: "Darüber lässt sich hinterher immer streiten - zumal, wenn man verloren hat. Ich habe alles versucht, aber wenn es an der Einstellung mangelt, dann kannst du machen was du willst, so ein Spiel kannst du nicht mehr gewinnen."

Spielmacher Michael Haaß (3 Tore), der zumindest zeitweisefür einen Lichtblick sorgte, sah es ähnlich: "So kann es nicht weitergehen. Wir sind einfach nicht in der Lage, die Big Points zu machen, und es geht immer wieder auf und ab. Wenn wir solche Punkte liegenlassen wie heute, wird das nichts mit dem Festsetzen im oberen Tabellendrittel."

Lübbecke: Blazicko, Semisch - Loke 2, Vukovic 8, Langhans 2, Tauabo 3/2, Pieczikowski 1, Pajovic, Huljina, Wöss 1, Dissinger 6, Schöngarth 5, Remer 1

Magdeburg: Quenstedt, Green - Rojewski 5/1, Musche, van Olphen 4, Natek 1, Bagersted 4, Bezjak 2, Haaß 3, Grafenhorst, Weber 5/2, Jurecki 1, Lie Hansen

Schiedsrichter: Dinges/Kirsch. Zuschauer: 2105. Siebenmeter: TuS 3/2, SCM 6/3. Zeitstrafen: 2/1