Wuppertal l Um das Leiden der Franziska Hentke zu beschreiben, muss man sich folgende Szene vom Freitag in der Wuppertaler Schwimmoper vor Augen führen: Sie ereignete sich im Vorlauf über 200 Meter Lagen, beim Wechsel von der Disziplin Rücken in die Disziplin Brust. Die 25-Jährige glitt der Wand so langsam entgegen, dass ihr Trainer Bernd Berkhahn sich zum spontanen Kopfschütteln genötigt sah. Sie hatte dadurch Zeit, viel Zeit, zur WM-Norm und zu ihrer Bestmarke verloren.

Die Wende, das allseits ungeliebte Element der Schwimmer, hat Franziska Hentke mehrfach um ein besseres Resultat gebracht bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften. Das nervt Hentke, das nervt ihren Trainer. Die Wende konnte aber nicht verhindern, dass der SCM-"Schmetterling" die Titelkämpfe dennoch mit vier Medaillen abschloss: Gold und WM-Norm über 200 Meter Schmetterling, Bronze über 200 Meter Lagen (Volksstimme berichtete) sowie zum Abschluss am Sonnabend über 800 Meter Freistil in Bestzeit (8:30,02 min.) und 100 Meter Schmetterling (58,64 sek.). "Über die 100 Meter war es zwar Saisonbestzeit, aber zufrieden bin ich damit nicht", sagte Hentke, die ihren Meisterschaften das Prädikat "durchwachsen" ausstellte. "Sie hat im Finale die Wenden verhauen, sich aber immer wieder rangekämpft", berichtete Coach Berkhahn. Bis zur Weltmeisterschaft in Doha (Katar/3. bis 7. Dezember) wird sie konsequent am Problem arbeiten, bestätigten Athletin und Trainer. "Was nicht gut war, muss abgestellt werden", so Hentke.

Die Norm für die WM hat sie auch über die 800 Meter Freistil geschafft, was "im Vorfeld für mich völlig abwegig war", so Berk- hahn, "was für mich absolut überraschend kam", so Hentke. Da die Spezialistinnen Sarah Köhler (Frankfurt/8:17,89) und Leonie Beck (Würzburg/8:25,14) noch schneller waren, wird es für Hentke bei 200 Meter Schmetterling in Doha bleiben.

Durchwachsen ist es für alle zehn Athleten des SCM gelaufen irgendwie, es gab Momente der Enttäuschung, es gab Momente des Jubels. Daria Berestov jubelte am Donnerstag über ihre Bestzeit beim elften Rang über 100 Meter Brust und war am Sonnabend enttäuscht über 2:30,54 Minuten mit Rang zehn über die doppelte Distanz. Laura Kelsch war zum Abschluss zufrieden mit Platz 14 und 1:03,60 Minuten über 100 Meter Lagen, ebenso wie Julia Thiemann mit Rang zwölf über 50 Meter Freistil in 25,76 Sekunden: "Zuvor war Julia noch die 800 Meter Freistil geschwommen, dass sie dann in die Nähe ihre Bestzeit sprintet, ist wirklich eine gute Leistung", meinte Berkhahn.

Und die Männer? Poul Zellmann hat zum Ende seines Mammutprogramms eine 3:46,00 Minuten (nur 42 Hundertstel über Bestzeit) ins Becken gelegt und wurde damit starker Vierter über 400 Meter Freistil. "Die Zeit kann mir schon ein Lächeln ins Gesicht zaubern, aber sie rechtfertigt trotzdem nicht meine Erwartungen", erklärte der 19-Jährige. Neue Bestzeiten gab es über diese Distanz für Rob Muffels (3:53,19/18.) und Florian Wellbrock (3:54,18/19.), der bei fünf Starts zu vier persönlichen Rekorden schwamm. "Damit habe ich eigentlich nicht gerechnet", sagte der 17-jährige Wellbrock, dem "Zeiten und Platzierungen Mut für die weitere Saison machen ". Diese Zuversicht hat auch Marcus Herwig gewonnen, der in 3:54,90 Minuten (20.) seine Bestzeit nur knapp verpasste.